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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Kloster Eberbach zeigt Kunst von psychisch Kranken Von Julia Kilian, dpa PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 25. Juli 2010 um 21:09 Uhr

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Für psychisch Kranke kann Kunst Therapie sein. Im Kloster Eberbach ist nun eine Ausstellung mit Werken solcher Menschen zu sehen. «Inklusionen» heißt die Schau.

 

Eltville (dpa/lhe) ­ Sie hören Stimmen, kämpfen gegen eine zweite Persönlichkeit im Innern oder wollen sich das Leben nehmen: Menschen, die psychisch krank sind. Einigen kann Kunst helfen, dem Wahnsinn zu entfliehen. Das zeigt die Ausstellung «Inklusionen» im Kloster Eberbach im Rheingau. Von Freitag an sind dort Dutzende Kunstwerke von psychisch Kranken, geheilten Menschen und auch akademisch ausgebildeten Künstlern zu sehen. Sie präsentieren Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen oder Installationen - zwischen Normalität und Verrücktheit.

 

Wenn Claudia Maggie Vieira malt, hört sie die Stimmen in ihrem Kopf etwas weniger. Diese Stimmen wollen sie dazu treiben, sich mit Tabletten das Leben zu nehmen. Mit dem Malen lenkt sich die 44- Jährige ab. «Die Zeit geht dann schneller», sagt sie. Am liebsten zeichnet sie auf blauen Grund, zum Beispiel Engel, den Papst, die Vogelgrippe oder den Schriftzug «Love and Peace» (Liebe und Frieden). Vieira hofft, eines der Bilder irgendwann ihrer Tochter schenken zu können. Sehen darf sie ihr Kind derzeit nämlich nicht.

 

Entstanden sind die meisten ausgestellten Werke im «Künstlerhaus 6», einem ehemaligen Stationsgebäude der Psychiatrie auf dem Eichberg bei Eltville im Rheingau. Dort haben drei ausgebildete Künstler Werkräume gemietet. Einer von ihnen ist Helmut Mair. Wenn der 47- Jährige nicht an seinen eigenen großformatigen Gemälden arbeitet, leitet er das offene Atelier des Klinikunternehmens Vitos. Dort können Patienten und solche, die es einmal waren, an ihren Kunstwerken arbeiten. Seit 1996 seien dort mehr als 10 000 Objekte entstanden, schätzt Mair. «Darunter sind nur ganz wenige, wo es so eine eigene Form von Sprache gibt.»

 

Zu diesen besonderen Exponaten zählen die Bilder von Cornelia Trabhardt. Die 50-Jährige leidet an einer Gedächtnisstörung. Was sie vergangene Woche getan hat, weiß sie nicht mehr. Ihre Bilder aber, die meist tausend Tränen zeigen, vergisst sie nicht. «Das weiß ich immer. Ich erkenne das einfach ­ an dem Stil», erzählt die Frau mit den aufgeweckten Augen. Meist zeichnet Trabhardt mit einem Kreidestift auf dunkle Pappe. Mehr als 80 solcher Arbeiten hat sie schon geschaffen. Einige hängen nun an den Wänden der Barocketage im Kloster Eberbach.

 

«Wir machen keine Kunst-Therapie», betont Mair. «Ich persönlich frage nicht nach Diagnosen. Ich möchte erst den Menschen kennenlernen.» Vor seinem Künstler-Dasein war Mair Krankenpfleger. Seit rund 25 Jahren arbeitet er mit psychisch Kranken. Deren Kunst sei sehr direkt. «Dahinter steckt kein Kalkül», sagt Mair. Viele seien von einer «tiefen existenziellen Erfahrung» geprägt. «Darum bemühen sich normalere Künstler auch ihr Leben lang.»

 

Kunst kann Mair zufolge kranken Menschen viel geben, etwa Selbstwert, Bestätigung, Verbundensein mit der Welt. Seine Schülerin Angelika Beyer war vor zehn Jahren in Behandlung. Heute gehe es ihr wieder gut, sagt die 39-Jährige. In der Ausstellung zeigt sie ihre Skulpturen «Vögel der Natur, Musizierende». Nicht jedem hilft der Einsatz von Palette und Leinwand. Der Erfolg sei «so verschieden, wie es die Menschen sind», berichtet Mair.

 

Fasziniert von den fantasievollen Ideen der Patienten war auch Birgid Helmy, als sie auf den Eichberg kam. Die Bildhauerin arbeitet seit einem Jahr in ihrem Atelier im Künstlerhaus. Von dort blickt sie direkt auf die forensische Abteilung der Psychiatrie, wo mitunter Schwerverbrecher behandelt werden. Ihre Kunst hat sich seitdem verändert. Oft habe sie schöne, schlanke Menschen modelliert, sagt die 53-Jährige. Heute bekämen ihre Figuren Speckröllchen, ein Kind trage den Ausdruck des Down-Syndroms im Gesicht. «Ich will die Bevölkerung in der Breite, wie sie ist, zeigen.»

 

Dazu gehören auch Verrückte. «Viele Leute haben ja schräge Gedanken. Aber die meisten haben gelernt, nicht darüber zu sprechen», sagt Helmy, deren Skulpturen auch bei «Inklusionen» gezeigt werden. Zuletzt erzählte ihr eine Bewohnerin der Klinik, dass sie im sechsten Jahr schwanger sei. Man könne die Kindesbeinchen schon am Brustbein spüren, sagte die Patientin. Helmy war begeistert. «Die größten Künstler haben solche Bilder gemacht, und die liegen dort in Hülle und Fülle», sagt die 53-Jährige. «Das ist eigentlich ein Schatz.»

 

 

 

www.künstlerhaus6.de

www.künstlerhaus6.de/AusstellungEberbach.pdf


 



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