| Stifter-Paar holt documenta-Künstler nach Neumünster Von Nicola Kabel, dpa |
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| Mittwoch, 02. Juni 2010 um 06:37 Uhr | ||
Millionen für eine Stiftung: Herbert und Brigitte Gerisch haben einen Skulpturenpark gegründet. Sie holen moderne Kunst nach Neumünster - und jetzt einen Preisträger der documenta-Stadt Kassel.
Kiel (dpa/lno) - Elefantenfüße stehen vor dem Kamin, Felle von Zebra und Löwe liegen auf dem Boden, Köpfe von Antilope, Büffel und Warzenschwein hängen an den Wänden. Aber mitten unter den Jagd- Trophäen aus Afrika haben der 88-jährige Herbert Gerisch und seine Frau noch etwas in ihrem Haus aufgehängt: eine afrikanische Maske aus einem Benzinkanister. Sie ist von Romuald Hazoumé, documenta-Künstler und Preisträger der Stadt Kassel. Von Sonntag an (6. Juni) zeigt das Paar die erste große Gesamtinszenierung von Hazoumé-Werken in Deutschland - in ihrem Skulpturenpark in Neumünster.
Etwa 18 Millionen Euro sind in die Herbert Gerisch-Stiftung geflossen. Dafür brachte der frühere Vorstandschef und Aufsichtsratsvorsitzende des Kieler Wohnungsbauunternehmens BIG Bau seine Beteiligungen an dem Unternehmen ein. Die Gerischs ließen die historische Villa Wachholtz - neben ihrem eigenen Haus gelegen - sanieren, machten ein Kunstmuseum daraus, der weitläufige Garten dahinter wurde zum Skulpturenpark. Die erste Ausstellung 2007: Druckgrafiken des britischen Bildhauers Henry Moore. «Wir wollen in der Oberliga mitspielen», sagt die 69-jährige Brigitte Gerisch. Und sie will zeigen, «dass wir in Schleswig-Holstein nicht nur Kunst hinterm Knick haben».
Als der künstlerische Leiter Marin Henatsch im Wohnhaus vorbeikommt, überfliegt sie mit ihm eine Mitteilung zur Hazoumé- Ausstellung. Die Gerischs machen vieles selbst: Sie sitzt in der Villa Wachholtz an der Kasse, er am Schreibtisch, gemeinsam mit Henatsch suchen sie Künstler aus. Frau Gerisch, schwarz und elegant gekleidet, dezent geschminkt, trifft man auch mal mit dem Plastikeimer auf dem Weg zum Unkrautjäten.
Vermögen, das man im Laufe eines Lebens gewonnen hat, verpflichtet den Einzelnen dem Allgemeinwohl - das sei ihre Devise, sagen die Gerischs. «Das für sich selbst zu behalten, macht keinen Sinn», meint Brigitte Gerisch. Sie wolle im letzten Quartal des Lebens etwas zurückgeben. Herbert Gerisch sagt: «Es kann doch im Leben nichts Schöneres geben, als bis zum letzten Zug gestalten zu können».
Die beiden, die seit etwa elf Jahren verheiratet sind, wohnen in einem Haus aus den 60er Jahren. Dahinter erstreckt sich der drei Hektar große Skulpturenpark. Das ehemalige Schwimmbad ist zur Galerie geworden, das Jagdzimmer verwandelt sich in ein Klassenzimmer, wenn der Museumspädagoge Schüler einlädt. Auch Besucher schauen immer wieder durch die Fenster. «So wohnen wir uns allmählich hier raus», sagt Gerisch. «Wenn ich mich verabschiede, geht das Haus auch in die Stiftung ein.»
Im Park grünt und blüht es - eine Idylle. Um die geht es in den Ausstellungen - und um ihre Brüche, so auch bei der Hazoumé-Schau «Made in Porto Novo». Der Künstler aus Benin, der 2007 bei der documenta 12 zum Star wurde, baut seine Skulpturen aus Benzinkanistern. «Es ist das unentbehrliche Requisit des Lebens in Benin», sagt der künstlerische Leiter Henatsch. Leute belüden Motorräder mit Unmengen davon, führen über die Grenze, kauften auf dem Schwarzmarkt Benzin und kämen mit der hochexplosiven Ladung zurück. Hazoumé baut unter anderem eine Pyramide aus diesen Kanistern, die «Hochzeitskuchen» heißt und aussieht wie ein Berg von Schädeln. Der Titel der Ausstellung: «My Paradise - Made in Porto Novo.»
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