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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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«Leben ist Kunst» - Vostell-Happenings in Leverkusen Von Gerd Korinthenberg, dpa PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 03. Juni 2010 um 07:09 Uhr

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Leverkusen (dpa/lnw) - Es riecht muffig nach frischem Erdreich im Museumssaal, Spaten stecken in einem Riesenkasten mit Humus, Gummistiefel stehen bereit: Das Leben hat die Kunst erobert in Leverkusens Museum Morsbroich. Alle Besucher sind aufgefordert, bei der Rekonstruktion des Happenings «Umgraben» (1974) des Kunstpioniers Wolf Vostell mit Hand anzulegen. Das geheimnisvolle Schaben der Spaten wurde seinerzeit per Tonband aufgezeichnet und knarzt heute wieder durch die Ausstellungsräume.

 

Mit seinen Happenings entdeckte Vostell (1932-1998) vor fast sechs Jahrzehnten unter dem Schlagwort «Leben ist Kunst, Kunst ist Leben» die Straße als Bühne seiner bis heute oft erstaunlich aktuellen Aktionen. In der Retrospektive, die neben umfangreichem Eigenbesitz erstmals auch Schätze des von Vostell selbst aufgebauten Happening-Archivs im spanischen Malpartida zeigt, würdigt das Leverkusener Museum von Sonntag an bis 15. August den «Erfinder» der europäischen Aktionskunst.

 

Die Überblicksschau mit Happening-Partituren und Manifesten, Foto-, Film- und Tondokumenten, Einladungen und Plakaten präsentiert Vostells collageartig komponierte Kunstaktionen «als multimediale Verbindung von bildkünstlerischen, musikalischen und theatralischen Ausdrucksformen».

 

Den programmatischen Titel «Das Theater ist auf der Straße» trug Europas erstes Happening, das der in der rheinischen Chemiestadt Leverkusen geborenen Vostell 1958 in Paris realisiert hat: «Lesen Sie die Texte und Buchstabenfragmente auf zerrissenen Plakaten», lautet die erfrischend absurde Aufforderung an die Passanten. Die De- Collagen genannten, zerfetzten Poster an den Museumswänden, nunmehr kunsthistorische Belegstücke, haben bis heute ihren subversiven Charme bewahrt. Und deutliches Hintergrundgelächter des alten Originaltons von «Umgraben» zeigt den Spaß der damaligen Akteure an der künstlerisch revolutionären Spatenaktion.

 

Ein arg zerbeulter, rostiger Uralt-Mercedes vor dem Museumseingang zeugt von der Aktion «130 km die Stunde», bei der Vostell eine Lok in die Wagenflanke krachen ließ - dem Publikum wurden anschließend Pralinen gereicht. Der Nachgeschmack von Gewalt und Vergänglichkeit, den viele Inszenierungen Vostells durchzieht, ist auch nach bald 50 Jahren noch spürbar.

 

So ließ der Künstler 1971 kistenweise langsam vergammelnden Salat ein Jahr lang per Zug zwischen Köln und Aachen fahren, röntgte das Grün und die Menschen und fing damit frühe Umweltschutz-Gedanken sensibel auf. Die 16 Kisten frischer Salatköpfe im Ausstellungsraum belegen im Kontrast zur Originalaktion allerdings jetzt eher den Kuratorenwunsch nach einem musealen «Blickfang».

 

Vostells Happenings zu Medienmacht und Vietnamkrieg wären heute in angeblich so liberaler Zeit wohl kaum mehr realisierbar: Weder wären die Sender begeistert von Funk- und TV-Aktionen («Küssen Sie eine Person auf dem Bildschirm») noch dürfte die Bahn bei der 72-Stunden- Aktion «Vietnam-Symphonie» (1977) mit Kranzniederlegung auf dem Bahnsteig mitspielen.

 

Ganz im Sinne Vostells, der 1969 seine Happening-Anweisungen per Telefon-Anrufbeantworter ans Kunstpublikum gab, bietet das Museum für die 71 Ausstellungstage auf seiner Internetseite (www.morsbroich.de) 71 Vostell-Ideen für das Do-It-Yourself-Happening daheim.

 

 

www.museum-morsbroich.de

 



Tags: vostell  happening  museum  per  kunst  abstrakte kunst  
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