| Der Blick eines Expressionisten auf die Ostsee |
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| Samstag, 12. Juni 2010 um 09:01 Uhr | ||
Fehmarn statt Toskana - die Maler des deutschen Expressionismus suchten ihre Motive oft nicht unter südlicher Sonne, sondern an der Ostsee. Wie Sierksdorf, Hohwacht und die Kurische Nehrung den Maler Schmidt-Rottluff beeinflusst haben, zeigt eine Ausstellung in Lübeck.
Lübeck (dpa/lno)- Der Himmel ist gelb, der Strand lila, die Bäume sind rot und blau. So sah Karl Schmidt-Rottluff, einer der bedeutendsten Maler des deutschen Expressionismus, 1961 das Brodtener Steilufer bei Travemünde. Seine Ostseebilder aus den Jahren 1906 bis 1973 sind von Sonntag an bis zum 5. September in gleich zwei Lübecker Museen zu besichtigen. Das Museum Behnhaus Drägerhaus zeigt die Werke, die zwischen 1906 und 1943 an der Küste Vorpommerns und Hinterpommerns entstanden sind. Die Bilder aus den Jahren 1951 bis 1973, in denen Schmidt-Rottluff regelmäßig nach Sierksdorf (Kreis Ostholstein) reiste, sind in der Kunsthalle St. Annen zu sehen.
Es war vor allem die wilde Ursprünglichkeit der Ostseeküste auf der Kurischen Nehrung, die Schmidt-Rottluff und viele andere Künstler seiner Zeit faszinierte. Doch auch im schleswig-holsteinischen Hohwacht (Kreis Plön) fand er in den Jahren 1914 und 1919 Entspannung und Inspiration. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zog es Schmidt-Rottluff und seine Frau Emy mehr als 20 Jahre lang Jahr für Jahr nach Sierksdorf, wo er im Haus seines Malerfreundes Günter Machemehl ein kleines Atelier besaß.
Die Motive von der Ostsee - Dörfer und Landschaften, Bauern, Fischer und immer wieder Badende, gemalt mit oft holzschnittartigen Pinselstrichen und kräftigen Farben - bleiben über die Jahrzehnte Themen seiner Bilder. Schmidt-Rottluff, 1884 in der Nähe von Chemnitz in Sachsen geboren, begann zunächst ein Architekturstudium, widmete sich aber schon bald mehr und mehr der Malerei. Gemeinsam mit Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Fritz Bleyl gründet er 1905 in Dresden die Künstlervereinigung «Brücke», die in ihrem Streben nach Erneuerung der Kunst den deutschen Expressionismus hervorbrachte. Schon 1924 holte der damalige Lübecker Museumsdirektor Carl Georg Heise Schmidt-Rottluff für eine Ausstellung nach Lübeck. Unter den Exponaten war das 1920 entstandene Ölgemälde «Blauer Mond», das auch jetzt wieder in Lübeck zu sehen ist. Schmidt-Rottluff starb 1976 in Berlin.
Die Lübecker Ausstellung ist Teil eines Gemeinschaftsprojektes «Expressionismus zwischen den Meeren» mit dem Landesmuseum Schloss Gottorf in Schleswig und der Kunsthalle zu Kiel. In Gottorf sind noch bis zum 29. August Bilder von Erich Heckel zu sehen, die Kunsthalle zu Kiel zeigt vom 19. September an eine Max-Pechstein-Retrospektive. Die meisten der 140 Bilder der Lübecker Ausstellung sind Leihgaben des Brücke Museums Berlin. Dort wird sie von Februar nächsten Jahres an ebenfalls zu sehen sein.
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