| «Grenzen überschreiten» - Ausstellung in Salzburg und Laufen Von Matthias Petry, dpa |
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| Donnerstag, 17. Juni 2010 um 06:57 Uhr | ||
Salzburg/Laufen (dpa/lby) Sie haben sich nicht immer gemocht, und noch heute wird den Bayern und Österreichern eine Art Hassliebe nachgesagt. Den historischen Verbindungen zwischen Bayern und Salzburg geht nun eine grenzüberschreitende Ausstellung nach. Die Schau «Grenzen überschreiten. Bayern und Salzburg 1810-2010» ist seit wenigen Tagen in Laufen (Landkreis Berchtesgadener Land) und Salzburg zu sehen. «Der Blick zurück hilft unserem Blick nach vorn», hatte Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) zur Eröffnung gesagt.
«Unser Hauptanliegen war es, dieses schwierige Thema, die komplizierte damalige Zeit dem Besucher verständlich näher zu bringen», erklärt der Direktor des Salzburg Museums und Kurator der Ausstellung, Erich Marx. Dargestellt werden in der Ausstellung die «großen Köpfe» jener Zeit, darunter der Salzburger Erzbischof Colloredo, Kaiser Franz II. von Österreich, König Max I. Joseph von Bayern und Napoleon I., Kaiser der Franzosen. «Wir haben bewusst großformatige Bilder der Herrscher gewählt, um ihre Dominanz auszudrücken und ihre Ignoranz ihrem Volk gegenüber», erläutert Marx.
Neben den Herrschern werden aber auch Einzelschicksale aus dem Volk gezeigt, so zum Beispiel die Tagebuchaufzeichnungen des Salzburger Infanteristen Kasper Raminger, der im königlich- bayerischen Heer 1812/13 am Russlandfeldzug der Franzosen teilnahm und überlebte. «Man muss auch immer an die normalen Menschen denken. Was die damals mitmachen mussten, kann sich heute keiner mehr vorstellen», meint Marx.
Salzburg musste damals drei militärische Besatzungen und fünf Herrschaftswechsel über sich ergehen lassen, die Einwohnerzahl des Landes ging von 145 000 im Jahr 1794 auf 134 000 anno 1817 zurück. Auch die Stadt Salzburg erreichte in diesem Jahr mit 12 037 einen Tiefstand der Einwohnerzahl.
Besonders stolz ist Marx auf die bedeutenden europäischen Verträge aus der Zeit von 1801 bis 1816, die damals mit einem Federstrich Grenzen versetzten. «Da lacht das Herz des Historikers, wenn man Dokumente von solcher europaweiter Bedeutung zusammentragen kann.»
Darunter sind zum Beispiel der Pariser Vertrag, der Gebiete um Salzburg den Bayern zusprach, und der Vertrag von München, mit dem Salzburg zu Österreich kam, und «vom selbstständigen Herzogtum zu einem Provinzstädtchen am Rand der Monarchie» wurde, wie Marx die damalige Entwicklung beschreibt.
Der letzte Raum der Ausstellung in Salzburg widmet sich den Lebensumständen der Bevölkerung in der «bayerischen Zeit» Salzburgs anhand prominenter Persönlichkeiten. Dazu zählen auch Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber, die Urheber des weltberühmten Weihnachtslieds «Stille Nacht, Heilige Nacht», von dem sich eine Handschrift in der Ausstellung findet. «In schweren Zeiten wenden sich die Menschen oft der Religion zu», weiß Marx. So schrieb Gruber den Text zu «Stille Nacht, Heilige Nacht» im Jahr des Anschlusses an Österreich.
Der Ausstellungsteil im Alten Rathaus von Laufen stellt das Thema «Grenze» als trennendes und verbindendes Element in den Mittelpunkt. Außerdem wird die Geschichte des Rupertiwinkels bis in die Gegenwart beleuchtet. Die Doppelausstellung ist eine Kooperation des Salzburg Museums, der Staatlichen Archive Bayerns und der Stadt Laufen.
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