| Inszenierte und verfremdete Wirklichkeit - Jeff Wall in Dresden Von Simona Block, dpa |
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| Freitag, 18. Juni 2010 um 07:06 Uhr | ||
Die übergroßen Leuchtkästen des kanadischen Fotokünstlers Jeff Wall gelten als Ikonen der modernen Fotografie. Sein Rückgriff auf die Werbeästhetik ab 1977 revolutionierte die Fotografie. Einige der neuesten Arbeiten des 63-Jährigen haben in Dresden Europa-Premiere.
Dresden (dpa/sn) - Die Galerie Neue Meister Dresden präsentiert
zur Wiedereröffnung des Albertinums 26 Werke des kanadischen Fotokünstlers Jeff Wall. Sie zeigen zu dürfen, sei «ein Glücksfall», sagte der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Martin Roth, am Donnerstag. Die Schau «Transit» setze zugleich einen wichtigen Schwerpunkt der Gegenwartskunst. In der benachbarten Kunsthalle im Lipsiusbau sind vom 20. Juni bis zum 19. September 19 riesige Großbilddias in Leuchtkästen, sechs Schwarzweißfotografien und eine farbige Arbeit im C-Print-Verfahren zu sehen.
Die Palette der Kunstwerke reicht vom «Doorpusher» (1984) bis zu dem als farbiges LightJet Print realisierte Bild «Search of premises» - einem Experiment. Die meist großformatigen Leihgaben des Künstlers geben einen Überblick über sein Schaffen in 30 Jahren. Einige sind erstmals in Europa zu sehen, sagte Galeriedirektor Ulrich Bischoff. Wall studierte Kunstgeschichte, beschäftigte sich mit Malerei, Fotografie, Bildhauerei, Konzeptkunst und Installationen. Bis er als einer der Ersten mit Leuchtkästen arbeitete, wurde Fotografie schwarz-weiß und im kleinen Format wie Druckgrafik ausgestellt.
Walls beleuchtete Farbdiapositive zeigen scheinbar zufällig aufgenommene Bilder, die jedoch Ergebnis sorgfältiger Inszenierung sind. Jedes Detail der abgebildeten Alltagszenen, Porträts, Landschaften und Innenräume ist minutiös arrangiert, die Menschen bis auf Ausnahmen wie «Restoration» (1993) fast immer eigens dafür engagierte Schauspieler. Die Bilder zeigen Augenblicke körperlicher Gewalt, der Zerstörung, Alltagszenen aus Unterschicht und Bürgertum, sprechen soziale Aspekte wie Umweltverschmutzung, Armut oder rassistische Ausgrenzung an.
Die Motive entdecke er unmittelbar im Leben, sagte der Künstler. Ausgangspunkt seiner Bildthemen sei immer eine Art unvorhergesehene Begegnung. Die «Inszenierung» sei der Versuch, «künstlich irgendein spontanes Geschehen in einer Situation herbeizuführen, das sich nur geringfügig von dem unterscheidet, was sowieso da wäre». Die modernen Allegorien beziehen sich aber auch auf Kompositionsprinzipien und Bildmotive aus der europäischen Kunstgeschichte. «Storyteller» (1986) oder «Tattoos and Shadows» (2001) etwa zeugen von Walls Wissen um das Erbe von Malern wie Manet oder Gauguin und dem Bemühen, im Medium der Fotografie Sinnbilder des modernen Lebens zu schaffen.
«Ich habe keine persönliche Beziehung zu Dresden, aber vielleicht können sich meine Bilder beziehen», sagte Wall. Der mit fünf mal 1,19 Meter größte Leuchtkasten «Restoration» (1993) schlage eine Brücke, so Bischoff. Das Bild thematisiere Wiederherstellung und Bewahrung der Vergangenheit anhand der Restaurierung eines Panoramagemäldes. «Das ist das für Dresden relevante Thema.»
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