| Helden aus Russland und intime Porträts |
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| Freitag, 18. Juni 2010 um 07:06 Uhr | ||
Hamburg (dpa/lno) - Helden aus Russland und intime Porträts sind von Freitag an bis zum 29. August in einer Doppelausstellung im Haus der Photografie in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen. Der erste Teil wirft einen eher ungewöhnlichen Blick auf das Werk des japanischen Fotografen Nobuyoshi Araki (geb. 1940). Im Zentrum steht die intime Serie «My Wife Yoko», welche die junge Frau des Künstlers auf der Hochzeitsreise, im eigenen Haus und bei Ausflügen zeigt. Der zweite Teil ist die erste große Werkschau des russisch-ukrainischen Künstlers Sergey Bratkov (geb. 1960) in Deutschland. Zu sehen sind 130 Fotografien, die den Alltag in Russland schonungslos darstellen.
Berühmt wurde der japanische Fotograf Nobuyoshi Araki durch seine Bondage-Bilder, die junge Japanerinnen in erotischer Fesselung zeigen. «Im Gegensatz zu Bondage im Westen wird diese Kunst in Japan jedoch wie eine Umarmung gesehen, trotz physischer Nähe bleibt das Geheimnis der Frauen unangetastet», sagte Kuratorin Margit Zuckriegl. Einige dieser bekannten Arbeiten sind auch in Hamburg zu sehen, der Schwerpunkt der Ausstellung liegt aber auf den frühen Fotografien des jungen, noch unbekannten Araki.
Die intimen schwarz-weiß Porträts geben Einblicke in die Liebesbeziehung zu seiner Frau Yoko bis zu ihrem frühen Tod 1990 im Alter von nur 42 Jahren. «Yoko ist immer mein liebstes Modell gewesen. Hätte ich ihren Tod nicht dokumentiert, wäre meine Seelenbeschreibung wie auch mein Liebesbekenntnis unvollständig gewesen», sagt der Künstler, der Tokio nur selten verlässt. Deshalb wollte er auch unbedingt, dass neben der Serie «My Wife Yoko» auch zwölf Fotografien aus dem «Winter Journey»-Zyklus zu sehen sind. Sie dokumentieren in berührenden Bildern den Abschied von seiner geliebten Frau.
Im starken Kontrast dazu wirken auf den ersten Blick die knalligen Fotografien von Sergey Bratkov. «Was uns beide verbindet, ist der Verlust der Utopie des Lebens», meinte Bratkov am Donnerstag in Hamburg. Seine Bilder zeigen schonungslos den Alltag und das Zusammenleben der Menschen nach dem Niedergang der Sowjetunion: Kinder, Sekretärinnen, Matrosen. Dabei legen sie die ideologisch überkommenen Klischees der Sowjetzeit ebenso offen wie den neuen Habitus des kraftstrotzenden Ostkapitalismus. «Die Menschen pendeln zwischen Orientierungslosigkeit und Freiheitsorientierung - und Sergey Bratkov ist ihr genauer gesellschaftspolitischer Beobachter», meinte Kurator Ingo Taubhorn.
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