| Olbrich: Darmstadt bringt Wiens verlorenen Sohn heim |
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| Samstag, 19. Juni 2010 um 07:51 Uhr | ||
Wien/Darmstadt (dpa/lhe) - Deutschland will seine Bauten als Weltkulturerbe schützen lassen, aber in seiner Heimat Österreich ist er kaum bekannt: Mit einer großen Retrospektive will das Wiener Leopold Museum dem Jugendstil-Künstler Joseph Maria Olbrich (1867- 1908) entsprechend Ehre zollen. Die Schau kam auf Initiative der Mathildenhöhe in Darmstadt zustande, wo sie in veränderter Form auch schon zu sehen war. Der Architekt der Darmstädter Künstlerkolonie wurde dort vom 7. Februar bis zum 24. Mai präsentiert.
Olbrich wurde im schlesischen Troppau - dem heutigen Opava in Tschechien - geboren und studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien. Er arbeitete im Büro des Jugendstil-Künstlers Otto Wagner und soll auch viele Entwürfe Wagners beeinflusst haben. Nach einigen Aufträgen in Österreich ging Olbrich aber nach Deutschland und gestaltete in Darmstadt die Künstlerkolonie Mathildenhöhe. Die Stadt Darmstadt will ihr Ensemble aus Jugendstilbauten als Weltkulturerbe schützen lassen.
«Letztendlich weiß man über Olbrich in Wien nicht allzu sehr Bescheid», sagte einer der Kuratoren der Schau, Peter Weinhäupl, am Freitag in Wien bei einer Pressekonferenz. Nach dem Zweiten Weltkrieg seien viele Olbrich-Bauten aus dem Stadtbild verschwunden. Selbst das von Olbrich entworfene Wien-Wahrzeichen Secession - von den Wienern wegen der goldenen Kuppel liebevoll «Krauthappel» genannt - werde meist seinem Lehrmeister Wagner zugeschrieben.
Die von Freitag bis zum 27. September dauernde Schau zeigt mehr als 400 Exponate des Universalkünstlers wie Möbel, Textilien und Zeichnungen. Anders als in Darmstadt liegt der Schwerpunkt mehr auf Olbrichs Wiener Zeit. «Wir wollten Wiens verlorenen Sohn heimbringen», sagte der Direktor des Instituts Mathildenhöhe, Ralf Beil. Bei der Konzeption sei es ihm von Anfang an ein «Herzensanliegen» gewesen, dass die Schau auch nach Wien komme. Denn völlig zu Unrecht sei Olbrich durch seinen Ortswechsel, seinen frühen Tod im Alter von 41 Jahren und durch den Krieg in seiner Heimat in Vergessenheit geraten: «Er war einer der bedeutendsten Architekten der jungen Moderne.»
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