| Blumen für toten Polke - Feldmann-Retro in Düsseldorf Von Gerd Korinthenberg |
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| Samstag, 19. Juni 2010 um 07:51 Uhr | ||
Düsseldorf (dpa/lnw) - Ein Strauß fahlbunter Wicken in trüber Glasvase auf einem Museumssockel, daneben ein Stuhl in zweifelhaftem Bauernhaus-Stil: «1941-2010 Sigmar Polke» verkündet die Beschriftung. Den Erinnerungsort an den gerade gestorbenen Künstlerkollegen Polke hat Hans-Peter Feldmann direkt an den Eingang seiner großen Retrospektive in der Düsseldorfer Kunsthalle platziert. In dem ab Samstag (bis 22. August) präsentierten Überblick über rund 40 Schaffensjahre entpuppt sich Feldmann mit seinen Installationen aus Alltagsgegenständen oder Collagen eigener und gefundener Fotos als listiger «Eulenspiegel» der Kunstszene.
Oftmals halten sich in seinen kuriosen Arrangements, wie beim letzten Gruß an Polke, Humor und Horror subtil die Waage. Eine sensible Portion Hintersinn machte die Arbeiten des fast verborgen in Düsseldorf lebenden Künstlers zum internationalen Erfolg, brachte ihm mehrfache Einladungen zu Venedigs Biennale und zur Kasseler Documenta. So pinnt der 1941 geborene Meister der «Aneigungskunst» für seine Arbeit «Ein Pfund Erdbeeren» als Vexierspiel von Bild und Wirklichkeit Fotos von genau der Menge Erdbeeren an die Wand, die in der Realität ein Pfund wögen.
Surrealen Grusel verbreiten das auf der Innensohle mit Nägeln gespickte Paar Stöckelschuhe oder die bauchige Porzellan-Teekanne, deren falscher Schatten wie «gefroren» auf den Vitrinenboden gemalt ist. Ein eingekniffenes Sofakissen setzt Assoziationen an bürgerliche Gemütlichkeit frei, erinnert aber fern auch an eine Bischofsmitra und damit an ganz aktuell an die finsteren Seiten der Amtskirche. Der viele Quadratmeter große Papierflieger könnte auf heiteres Kinderspiel oder aber einen tragischen Absturz im Ausstellungssaal verweisen.
Abstrakte Begriffe wie Zeit und Altern macht Feldmann in seiner Porträtserie «100 Jahre» sinnlich: Als umlaufenden Bildfries montierte er 101 Menschenbildnisse vom Säugling bis zum Greis an die Wand. Der Betrachter vollzieht alle Gefühle nach, von kindlicher Heiterkeit bis zur beschwerlichen Neige eines Menschenlebens.
Der bunt bemalte nackte David als Mini-Michelangelo ist nicht nur ironischer Bildersturm auf die Heiligtümer der Kunstgeschichte, sondern auch Illustration der Kunsttheorie Feldmanns. «Kunst soll nicht heilig sein - im Gegenteil. Kunst ist eine ganz banale Alltagssache für jedermann.»
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