| Dem Moskauer Kunstexperten Jerofejew droht Straflager |
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| Mittwoch, 23. Juni 2010 um 06:41 Uhr | ||
Moskau (dpa) - Die Moskauer Justiz will den Kunsthistoriker Andrej Jerofejew drei Jahre ins Straflager bringen, weil er mit moderner Kunst die Gefühle von Christen verletzt haben soll. In einem Prozess wegen Aufwiegelung zu religiösem Hass beantragte Staatsanwalt Alexander Nikiforow diese Haftstrafe auch für Jerofejews Mitangeklagten Juri Samodurow. Die beiden hatten 2007 die Ausstellung «Verbotene Kunst» im Moskauer Sacharow-Museum gezeigt, die sich mit religiösen und politischen Tabus in der russischen Kunstwelt befasste. In dem seit mehr als einem Jahr dauernden Verfahren will das Gericht am 12. Juli das Urteil sprechen.
Der Prozess, in dem es auch um die Freiheit der Kunst geht, gilt als einmalig in der Geschichte des neuen Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion. Wegen des Prozessverlaufs sei jedoch klar mit einer Verurteilung zu rechnen, sagte Silke Jerofejewa, die Frau des Angeklagten, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.
Jerofejew und Samodurow hatten Werke international anerkannter russischer Non-Konformisten der 1970er Jahre gezeigt, unter ihnen Ilja Kabakow und Michail Roginski. Insgesamt begutachtete das Gericht neun Bilder, darunter auch eine Kaviar-Ikone, ein Jesus-Bild auf der Werbung einer Fast-Food-Kette sowie eine Micky-Maus-Figur auf Heiligenbildern. Laut Anklage verletzte die Schau mit diesen Werken die Gefühle von russisch-orthodoxen Christen in gröbster Weise.
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