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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kein Sinn für feine Ironie Von Karl-Heinz Reith, dpa PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 24. Juni 2010 um 06:47 Uhr

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Berlin (dpa) - Der Schulforscher Olaf Köller hält es gern mit dem Philosophen Søren Kierkegaard: «Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit», schrieb Köller in Anlehnung an den großen dänischen Prediger quasi als Leitsatz über seinen neuen Bundesländer-Schulleistungsvergleich.

 

Doch mancher aus der Runde der 16 Kultusminister, die aus Köllers Mund am Vorabend der offiziellen Präsentation vorab über die Ergebnisse der Studie informiert wurden, stand erst gar nicht der Sinn nach feiner Ironie. So ist beispielsweise für Bremens Schulpolitiker schon seit langem «das Ende des Glücks» gekommen. Denn zum vierten Mal innerhalb der letzten zehn Jahre erhielten sie jetzt bei einem Länder-Schulvergleich die rote Laterne als schlechtestes Bundesland.

 

Mit dem ersten PISA-Test im Mai 2000 hatte alles angefangen: Die deutschen Kultusminister öffneten ihre Schultore für die internationalen Bildungsforscher der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) aus Paris. Und weil die Länder nicht nur nationale Leistungsdaten wünschten, sondern auch Ergebnisse aus jedem einzeln Bundesland, ließen sie zusätzlich zu den 5000 Teilnehmern für den internationalen Test auch noch die Leistungen von weiteren 40 000 Schülern für den ersten Bundesländer-Vergleich (PISA- E) überprüfen.

 

Seitdem gleichen sich die Bilder bei fast jeder Veröffentlichung: Jubel in Bayern und Baden-Württemberg - und inzwischen auch in Sachsen und Rheinland-Pfalz. Kummer vor allem in den Stadtstaaten und gemischte Gefühle oder Rechtfertigungsversuche bei den meisten Ländern dazwischen.

 

Mancher Forscher würde statt Schulsysteme ganzer Bundesländer lieber einzelne Regionen miteinander vergleichen - also beispielsweise Bremen mit einem Migrantenanteil unter den Neunklässlern von fast 28 Prozent mit ähnlichen Problemgebieten im Ruhrgebiet oder bestimmten Stadtteilen Berlins. Zu unterschiedlich seien die einzlenen Bundesländer strukturiert, als dass ein fairer Gesamtvergleich wirklich möglich sei.

 

Statt der internationalen PISA-Aufgaben nutzen die Kultusminister für den innerdeutschen Vergleich inzwischen einen Aufgabenkatalog, der aus den neuen bundesweiten Bildungsstandards abgeleitet ist. Bei PISA werden zudem international 15-Jährige getestet, für den neuen Bundesländervergleich wurden jetzt die Leistungen von Neunklässlern überprüft - ein Jahr vor der Mittleren Reife.

 

Die Ergebnisse des aktuellen Tests lassen sich deshalb auch nur eingeschränkt mit früheren PISA-Untersuchungen vergleichen. Am ehesten gilt das noch für die Disziplin Lesen/Textverständnis - der wichtigsten Schlüsselkompetenz für das Lernen. Auffällig ist dabei, dass sich die Leistungspunktzahlen in den jeweiligen Bundesländern seit dem ersten PISA-Test vor zehn Jahren kaum verändert haben - sieht man kleinen Abweichungen ab, die auch der statistischen Fehlertoleranz geschuldet sein können.

 

2000 schockten die PISA-Forscher mit der Nachricht, dass über 20 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland Texte nur auf Grundschulniveau verstehen können. Köller wich bei der Präsentation der Studie der Frage aus, wie sich diese beachtliche Risikogruppe seitdem entwickelt haben mag und verwies auf die kommende PISA-Veröffentlichung im Dezember. Erst dann wird sich absehen lassen, ob die in den vergangenen zehn Jahren zahlreich angekündigten Hilfsprogramme zur Leseförderung wirklich gegriffen haben.

 

Ein Kernproblem der Bildungspolitik bleibt im Fokus: Die in Deutschland extrem hohe Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Nicht erst seit PISA liegen den Kultusministern dazu robuste wissenschaftliche Daten vor. Die ersten Studien darüber gab es schon Anfang der 70er Jahre.

 

Laut der neuen Untersuchung hat ein Neunklässler aus der Oberschicht gegenüber einem Schüler aus einer Facharbeiterfamilie auch bei gleicher Lesekompetenz bundesweit eine 4,5 mal so große Chance, ein Gymnasium zu besuchen. Einige Bundesländer haben inzwischen ihr Berufsschulsystem ausgeweitet, um noch mehr Schülern neben dem Gymnasium den Weg zum Abitur zu ermöglichen. Auch wollen die Kultusminister die Hochschulen für qualifizierte Berufstätige ohne Abitur weiter öffnen. Doch der große Durchbruch bei der sozialen Frage ist damit noch lange nicht erreicht.

 



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