| Streit um Biennale-Pavillon in Venedig Von Nada Weigelt, dpa |
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| Freitag, 25. Juni 2010 um 06:37 Uhr | ||
Den Klotz sollte man abreißen, fordern die einen. Andere wollen den Biennale-Pavillon in Venedig gerne erhalten. Der Streit ist in voller Fahrt. Dabei es geht um weit mehr als um Baukunst, es geht es Nazi- Vergangenheit und deutsche Klischees.
Berlin (dpa) - Um die Zukunft des deutschen Biennale-Pavillons in Venedig ist unter Künstlern und Architekten eine Debatte entbrannt. Nach dem Präsidenten der Architektenkammer sprach sich am Donnerstag auch der Vorsitzende des Bundesverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler, Werner Schaub, für einen Abriss des Gebäudes und einen Neubau aus. Das für den Pavillon verantwortliche deutsche Bundesbauministerium lehnte den Vorschlag ab.
Das Gebäude sei nicht nur durch seine Nazi-Vergangenheit eine Belastung, es sei auch architektonisch problematisch, sagte Schaub der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. «Es wäre gut, hier einmal reinen Tisch zu machen.»
Ministeriumssprecherin Vera Moosmayer sagte dagegen auf Anfrage: «Eine Zeit macht man nicht ungeschehen, indem man ihre Architektur vernichtet. Im Gegenteil, es ist wichtig, sie als Zeitzeugen zu erhalten.»
Der Pavillon in den Giardini von Venedig wurde 1909 gebaut und 1938 im Auftrag der Nationalsozialisten monumental umgestaltet. Er wird jeweils abwechselnd für die Kunst- und die Architekturbiennale genutzt. Dieses Jahr ist die Architektur-Schau dran.
Auch die Kunsthistorikerin Susanne Gaensheimer, die den Pavillon im kommenden Jahr kuratieren soll, lehnte einen Abriss als «ahistorisches Vorgehen» ab. «Ich bin eher dafür, historisch zu arbeiten, damit die Geschichte im Bewusstsein bleibt», sagte sie dem 3sat-Magazin Kulturzeit (Mittwochabend).
Werner Schaub betonte dagegen: «Man muss nicht alles aufheben, nur weil es alt ist.» Er halte den Bau architekturgeschichtlich nicht für unverzichtbar, weil er durch den nachträglichen Umbau in der Nazi- Zeit seit Jahrzehnten ein «Mischmasch» sei.
Ministeriumssprecherin Moosmayer meinte dazu, die «Vielfalt und teilweise Skurrilität» der Pavillons in Venedig mache gerade die Besonderheit dieses Ausstellungsgeländes aus. «Auch wenn der deutsche Pavillon es den Kuratoren nicht einfach macht, sind dort - vielleicht gerade durch die Herausforderung dieses Ortes - in der Vergangenheit sehr überzeugende Ausstellungen entstanden.»
Architektenkammer-Präsident Prof. Arno Sighart Schmid hatte im Vorfeld der Architektur-Ausstellung, die am 29. August beginnt, den Abriss ins Gespräch gebracht. Der Biennale-Künstler Tino Sehgal unterstützte den Vorschlag. «Der Raum entspricht den übelsten deutschen Klischees», sagte Sehgal dem 3sat-Magazin. Er repräsentiere ein Deutschlandbild, das nicht mehr der Realität entspreche.
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