| Pleitgen: Kulturhauptstadt hat das Ruhrgebiet verändert |
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| Samstag, 26. Juni 2010 um 08:04 Uhr | ||
Essen (dpa/lnw) - Die Europäische Kulturhauptstadt hat das Ruhrgebiet schon im ersten Halbjahr verändert: Die Menschen hätten die Region zu ihrer Sache gemacht, sagt Ruhr.2010-Chef Fritz Pleitgen. «Jetzt fahren Duisburger nach Dortmund zum U-Kulturzentrum - und umgekehrt.» Neue Museen, dauerhafte Angebote wie die Emscherkunst und die enger geknüpften Kontakte zwischen Museen, Theatern und Konzerthäusern in der ganzen Region hätten die künstlerische Qualität des Angebots im Revier erkennbar gesteigert, sagte Pleitgen im Interview «Drei Fragen, drei Antworten» der Nchrichtenagentur dpa.
Frage: Halbzeit bei der Kulturhauptstadt - Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Pleitgen: «Unser Konzept ist weit über die Erwartungen aufgegangen. Fast 5 Millionen Besucher im ersten Halbjahr - so viel hatten wir fürs ganze Jahr kalkuliert. Und beim Ballonprojekt «Schachtzeichen», bei «Day of song» und bei den Projekten der Ruhrgebietsstädte «Local Heroes» fordern die Leute eine Fortsetzung. Das ist das schönste Ergebnis: Wir haben die Bevölkerung erreicht.»
In Berlin, München oder auch Köln ist die Ruhr.2010 aber keineswegs Stadtgespräch. «Gute Innenwirkung, aber nach außen viel zu wenig präsent», kritisiert etwa der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann.
Pleitgen: «Da müssen Sie die Ausgangslage sehen: Das Ruhrgebiet ist nun mal nicht Berlin. Für unsere Verhältnisse haben wir ein außergewöhnlich großes und erfreulich gutes Medienecho erzielt, das es so im Ruhrgebiet noch nie gab: Kein Tag ohne eine dreistellige Zahl von Berichten. Allein 1000 Artikel in Auslandsmedien in 40 Ländern. Müsste ich aber zwischen Innenwirkung und Außenwirkung wählen, ist mir die Innenwirkung wichtiger: Wenn die Leute Kultur zu ihrer Sache machen und erkennen, dass sie sich auch in Euro und Cent auswirkt - dann ist das ein schöner Erfolg der Kulturhauptstadt, der die Region dauerhaft verändert.»
Und was wird dauerhaft bleiben, wenn die Kulturhauptstadt zu Ende geht?
Pleitgen: «Ich jedenfalls nicht. So sehr mir die Kulturhauptstadt eine Herzensangelegenheit ist, möchte ich ab 2011 endlich so etwas wie ein Privatleben beginnen . Für mich ist definitiv Ende Dezember Schluss. Aber mein Kollege Oliver Scheytt bleibt vertragsgemäß bis Ende 2011. Aber wichtig ist, dass der Schwung, den die Kulturhauptstadt erzeugt hat, weiter für die Metropole Ruhr genutzt wird. Unsere Erfahrung werden wir den Oberbürgermeistern, Bürgermeistern und Landräten vorlegen. Vielleicht entsteht daraus ein neues großes Ziel - etwa eine «Ruhr zwanzigzwanzig». Dabei könnten wir neue Themen wie den Klimaschutz mit der Kultur verbinden, am besten in einer Allianz mit dem Land und der Wirtschaft.»
Interview: Rolf Schraa, dpa
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