| Der Neue in Eutin hat keine Angst vor leichter Muse Gespräch: Eva-Maria Mester, dpa |
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| Dienstag, 29. Juni 2010 um 06:45 Uhr | ||
Der Posten des Geschäftsführers der Eutiner Festspiele gleicht derzeit einem Schleudersitz. Mit dem Österreicher Josef Hussek ist seit wenigen Tagen ein erfahrener Kulturmanager im Amt. Er will die Oper im Schlosspark wieder in den Griff bekommen.
Eutin (dpa/lno) - Mit dem pragmatischen Blick eines erfahrenen Theatermannes will Josef Hussek die Eutiner Festspiele wieder auf eine solide Basis stellen. Nötig sei ein Paradigmenwechsel, ein Besinnen auf die Kernsubstanz, sagte Hussek, der seit Mitte Juni Geschäftsführer der Festspiele ist - der siebente innerhalb von fünf Jahren. Das bedeute nicht, dass er die unter seinem Vorgänger Stephan Jöris und Intendant Daniel Kühnel begonnene Neuausrichtung umkehren wolle. «Aber unser Kern ist die Oper auf der Seebühne. Alle anderen Programmpunkte, wie Lesungen und Kammerkonzerte sind Zugaben, die sich selbst finanzieren müssen», sagte Hussek im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.
«Viele Probleme und Sorgen, die mir in Eutin begegnen, kenne ich aus meiner Zeit als Intendant der Wiener Kammeroper gut. Das Geld ist knapp, das technische Personal ist nicht das ganze Jahr über verfügbar, um nur zwei Beispiele zu nennen. Es gibt heute kaum noch künstlerische Entscheidungen, die nicht an die finanzielle Machbarkeit gekoppelt sind», sagte Hussek. Der 60-Jährige war zuvor unter anderem Operndirektor der Hamburgischen Staatsoper, Künstlerischer Betriebsdirektor der Salzburger Festspiele und Intendant der Wiener Kammeroper.
Die Festspiele, 1951 zum Andenken an den in Eutin geborenen Komponisten Carl Maria von Weber gegründet, waren 2008 durch Managementfehler und rückläufige Zuschauerzahlen in finanzielle Schieflage geraten. 2009 hatte sich ein Defizit von 600 000 Euro aufgehäuft, die Kommune, der Kreis Ostholstein und das Land Schleswig-Holstein mussten einspringen. Die Insolvenz der Festspiele ist inzwischen abgewendet, die Spielzeit 2010 gesichert, doch die finanzielle Lage ist noch immer alles andere als rosig. «Ich nehme das als Herausforderung an», sagte Hussek.
In der laufenden Spielzeit auf der Eutiner Seebühne - sie hat am 11. Juni mit einem Festkonzert begonnen, die erste Opernpremiere findet am 17. Juli statt - sieht Hussek seine Aufgabe darin, einzugreifen, wo man noch eingreifen kann. «Meine Maxime ist es, Kunst zu ermöglichen und dabei nach preiswerteren Lösungen zu suchen», sagte er. Konkrete Pläne für die zukünftige Ausrichtung der Festspiele habe er noch nicht, das wäre nach so kurzer Zeit vermessen.
«Ich kann mir aber vorstellen, mehr populäre Opern und Operetten oder auch Musicals wie «My fair Lady» oder «Kiss me, Kate» zu spielen, sagte Hussek. Außerdem will er vielversprechende junge Sänger engagieren. Hussek gilt als Stimmenkenner. Er hat unter anderem der russischen Sopranistin Anna Netrebko zum internationalen Durchbruch verholfen, indem er sie 2007 bei den Salzburger Festspielen als Donna Anna in Mozarts Oper «Don Giovanni» engagierte. «Es muss sich unter Musikfreunden herumsprechen, dass man bei den Eutiner Festspielen die Stars von Morgen hören kann», sagte Hussek.
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