| Basthütchen und Strandsandalen aus Pfahlbauten |
|
|
|
| Donnerstag, 01. Juli 2010 um 07:22 Uhr | ||
Frauenfeld (dpa/lsw) - Sie trugen Basthütchen gegen die Sonne und Strandsandalen: Das Museum für Archäologie des Schweizer Kantons Thurgau präsentiert seltene Textilien aus der Zeit zwischen 4200 und 800 v. Chr., die in Pfahlbauten am Bodensee und Zürichsee gefunden wurden. Die zum Teil ungewöhnlich fein gearbeiteten Fundstücke haben ein neues Bild der Pfahlbaubewohner gezeichnet, sagte Museumschef Urs Leuzinger am Mittwoch in Frauenfeld. Die Ausstellung «Gesponnen, Geflochten, Gewoben - Archäologische Textilien zwischen Bodensee und Zürichsee» wird vom 3. Juli bis zum 17. Oktober präsentiert.
Hatte man die Menschen aus der Jungsteinzeit für eher primitiv gehalten, galten sie nach den Textilfunden im 19. Jahrhundert als geschickte Handwerker mit hervorragende Materialkenntnissen. Die Wende brachte unter anderem ein findiger Schweizer Landwirt und Altertumsforscher aus dem Thurgau. Jakob Messikommer entdeckte in einer Pfahlbausiedlung ungewöhnlich gut gearbeitete Textilreste. Ein Zürcher Geologe begutachtete den Fund und erklärte, dieser stamme aus Frankreich und der Neuzeit. Messikommer schmiss den Fund weg. Später entdeckte er weitere Stoffreste in einer Pfahlbausiedlung und ein anderer Experte bestätigte nun den sensationeller Fund als Arbeiten von Pfahlbaubewohnern.
Das Museum zeigt Ausstellungsstücke von 14 Fundstellen. Vier sind vom Bodensee, darunter aus Hornstaad auf der Höri und den schweizerischen Orten Steckborn und Arbon sowie dem Strandbad in Allensbach bei Konstanz, wo es eine bedeutende Pfahlbau-Fundstelle gibt. Von hier stammen auch die Überreste der Sandalen.
Die baden-württembergischen Pfahlbauforscher haben zu der Ausstellung beigetragen. Weitere Stücke sind zum Beispiel Fischernetze aus dem Zürichsee, die ähnlich gut gearbeitet waren wie heutige Netze. Angelhaken wurden damals gern aus Wildschweinzähnen geschnitzt, sagt Leuzinger. In den Überresten der vielen Pfahlbausiedlungen an den Seen im Alpenvorland sind nur deshalb noch Textilien gefunden worden, weil sie Jahrtausende lang unter Wasser lagen und so konserviert wurden.
|
























































