| Falsche Hasen und schießende Tapeten auf art-Messe Von Martin Oversohl, dpa |
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| Mittwoch, 03. März 2010 um 19:19 Uhr | ||
Karlsruhe (dpa/lsw) - Schießende Tapeten, falsche Hasen und Flower-Power-Hubschrauber neben Picasso, Chagall und Kirchner - die art KARLSRUHE präsentiert sich auch bei ihrer siebten Auflage als knallbunter und krisensicherer Gemischtwarenladen für die Klassiker der Moderne und die Kleckse der Gegenwartskunst. «Wir haben das bewährte Konzept des vergangenen Jahres verfeinern können», zeigt sich Kurator Ewald Karl Schrade überzeugt. Seit der ersten Stunde ist er verantwortlich für «sein Kind», die art. «Und wir haben uns gut etabliert. Wir befinden uns von nun an mit den Messen in Berlin, Köln, aber auch in London auf einer Reiseroute.» Mehr als 200 Galerien sind seit Mittwoch in Karlsruhe zu Gast, Werke von 1400 Künstlern stehen zum Verkauf.
Unter dem Motto «Eldorado der Kunst» will die art KARLSRUHE ausdrücklich die Entdeckerlaune ihrer erwarteten mehr als 40 000 Besucher wecken. Neben der Malerei, der Grafik, Fotografie und Plastik von Ausstellern aus einem Dutzend Ländern rückt in diesem Jahr auch die Kunst aus Südafrika in den Blickpunkt: Aus dem Gastgeberland der Fußballweltmeisterschaft 2010 kommen mehrere Künstler nach Karlsruhe. «Wir wollen hier nicht nur Kunst verkaufen, wir wollen auch Kunst vermitteln», sagt Schrade.
Mit einer Mischung aus Technik, guter Laune, Knalleffekten und Kunstmarkt-Perspektive im Gepäck ist Carola Ertle Ketterer nach Karlsruhe gekommen. Die Schweizerin hat sich mit ihrem Mann einen Namen gemacht als Sammlerin von ausgefallener Videokunst, der die Sonderausstellung «Looping Memories» gewidmet ist. «Kunst als Video hat viele Vorteile», sagt Günther Ketterer. «Man kann die Präsentation besser austauschen als eine Leinwand. Und man hat keinen großen Lageraufwand.» Unbedeutend sei es da, ob ein Werk einzigartig sei oder nicht. Die Clips, alle in Endlosschleifen, sogenannten Loops, spielen vor allem ironisch mit der Zeit und dem Widerspruch zwischen Traum und Wirklichkeit.
«Shooting Wallpaper» (Schießende Tapete) zum Beispiel lässt Figuren langsam aus einer altertümlich wirkenden Tapete heraustreten, sie zielen in James-Bond-Manier auf den Betrachter und ziehen sich dann wieder in das Ensemble zurück. Ertle Ketterer zweifelt nicht am Erfolg der Kunstrichtung: «Junge Menschen sind Kinder des Fernsehens, sie sind es gewohnt, bewegte Bilder zu betrachten.» Mit einem kopfüber gehängten Hasen, einer Installation aus geschnittenem Flachglas, will Marta Klonowska überzeugen. Ihr Stil: Sie kopiert Tiere aus alten Gemälden wie zum Beispiel einen Luchs von Dürer und schenkt ihnen so im Zusammenspiel mit den gemalten Bildern einen modernen Einzelauftritt.
Subversiv dagegen eine Kunstinstallationen des Mannheimers Volker März mit kleinen Skulpturen von Friedrich Nietzsche, Peter Sloterdijk oder Walter Benjamin. Mit überdimensionalen Fensterschreiben in den geformten Händen wollen sie keineswegs dem Betrachter einen Spiegel vorhalten. «Es geht vielmehr um Persönlichkeiten, die den Menschen durch ihre Gedanken ein Fenster zur Welt geöffnet haben», erklärt Galerist Werner Tammen aus Berlin.
Natürlich sind auch die üblichen Verdächtigen auf der art zu finden, die Klassiker und Stammgäste, darunter Pablo Picasso, Horst Jansen und Ernst Ludwig Kirchner, dessen Gemälde «Sängerin am Piano» mit einem Preis von mehr als drei Millionen Euro zu den teuersten Angeboten in Karlsruhe gehört. «Ein Ausreißer», sagt Schrade. «Der durchschnittliche Preis für ein Kunstwerk auf der art liegt zwischen 20 000 und 50 000 Euro.» (Internet: www.art-karlsruhe.de) [Messe]: Messegelände, 76287 Rheinstetten dpa ov yyswb a3 bö
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