Vortrag im Forum Wissenschaft + Kunst / Ausstellung „Feind ist, wer anders denkt“ noch bis 13. März im Ministerium für Wissenschaft und Kunst zu sehen
Wiesbaden – Wie konnte in der DDR ein ganzes Volk überwacht werden? Mit mehr als 170.000 inoffiziellen Mitarbeitern (IM) – so viele waren es am Ende der DDR 1989 – hat der Staatssicherheitsdienst viele Bereiche der Gesellschaft überwacht. Spitzel machten mit bei Friedens- und Umweltgruppen, saßen auf wichtigen Positionen in Verwaltung und Polizei, in Hochschulen und Verbänden, in der Kirche und in anderen Institutionen. Sie verrieten geplante „Republikfluchten“, denunzierten systemkritische Bürgerinnen und Bürger, drangen in intimste Persönlichkeitsbereiche ein und berichteten dem Ministerium für Staatssicherheit über private Äußerungen, Gespräche und sonstige Aktivitäten der Menschen. Hinzu kamen das Abhören von Telefonaten, das Verwanzen oder konspirative Durchsuchen von Wohnungen, das heimliche Lesen von Privatpost und vieles mehr.
Wie dieser riesige Überwachungsapparat funktioniert hat und sich das in den Stasi-Unterlagen widerspiegelt, ist – auch anhand konkreter Beispiele – Thema des Vortrags „Der Staatssicherheitsdienst der DDR – wie er die Bürger überwachte“. Referent ist Harald Both von der Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen. Er spricht am Dienstag, 9. März 2010, um 19.30 Uhr im Forum Wissenschaft und Kunst im Ministerium (Rheinstraße 23-25, Wiesbaden). Der Eintritt ist frei.
Der Vortrag begleitet die Ausstellung „Feind ist, wer anders denkt“, die zurzeit im Ministerium zu sehen ist. Darin wird unter anderem die Ideologie und Arbeitsweise der Staatssicherheit dokumentiert. Ein Teil der Schau ist jenen gewidmet, die ins Visier der Stasi gerieten. Am Beispiel von 13 Biografien wird dargelegt, in welchem Ausmaß die Stasi in die Lebenswege teils mit der DDR sympathisierender, aber nicht systemkonformer Bürger eingriff, darunter prominente Bürgerrechtler wie Jürgen Fuchs, Wolf Biermann oder Robert Havemann. Die Ausstellung ist bei freiem Eintritt noch bis 13. März 2010, täglich außer sonntags, von 9 bis 18 Uhr zu sehen. Unentgeltliche Führungen für Schulklassen können unter der Telefonnummer 0611 / 32-3230 angemeldet werden.
Auch Anträge auf Einsicht in die eigenen Stasi-Akten können vor Ort gestellt werden.