| Geplatzter Oscartraum bringt Werbung für Netzow Von Gudrun Janicke, dpa |
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| Montag, 08. März 2010 um 13:57 Uhr | ||
Potsdam/Netzow (dpa/bb) - Für das brandenburgische Dorf Netzow in der Prignitz geht nach den geplatzten Oscarträumen für den Film «Das weiße Band» das Leben normal weiter. Regisseur Michael Haneke hatte das Drama in dem 130-Einwohner-Ort gedreht. Viele hatten gehofft, dass mit dem Oscar die Arbeit von Regisseur Haneke gekrönt wird. «Ich hätte es ihm gegönnt», sagt der Netzower Volker Pagel. Die ehrenamtliche Bürgermeisterin Anneliese Globke hätte eigentlich darauf wetten können, dass der Film, der das brandenburgische Dorf berühmt machte, nicht leer ausgeht. Die Erinnerungen an den Trubel bei den Dreharbeiten sind im Ort noch wach. Filmland Brandenburg
Brandenburg kann sich aber mit Christoph Waltz für die Studio- Babelsberg-Produktion «Inglourious Basterds» von Quentin Tarantino über den Oscar als Bester Nebendarsteller freuen. «In Hollywood stehen ihm nun alle Türen offen», sagt Studio-Vorstand und Koproduzent Christoph Fisser. Tarantinos Film entstand in Babelsberg sowie in Berlin, Brandenburg, Sachsen und in Paris. «Die Filmnation hat ihren Ruf deutlich gefestigt», sagt Kirsten Niehuus, die Chefin der regionalen Filmförderung, am Montagmorgen im Telefongespräch der dpa. Vier vom Medienboard geförderte Filme waren für 13 Oscars nominiert.
Netzow wird berühmt
Vier Monate lang diente das Dörfchen Netzow als Filmkulisse: In «Eichwalde» - so hieß der Ort im Film - mussten Satellitenschüsseln oder Verkehrszeichen verschwinden, Autos und Plastikmülltonnen wurden abseits versteckt. In dem in schwarz-weiß gedrehten Drama geht es um mysteriöse Gewalttaten kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Es geschehen seltsame Dinge. Kinder werden entführt und misshandelt, Menschen sterben.
Pagel hatte die ganze Nacht am Fernseher ausgeharrt und die Bilder von der Oscar-Verleihung in Hollywood verfolgt. «Ich habe wie Millionen Menschen auf der ganzen Welt in einem Filmausschnitt unsere Dorfkirche gesehen», erzählt er von dem emotionalen Moment. Kurz sei auch auf die Dorfstraße geschwenkt worden, die heute wieder asphaltiert ist. Mehr und bessere Werbung für den kleinen Ort in der Prignitz könne es gar nicht geben. «Das ist sonst nur für viel Geld zu haben», sagt der Heizungs- und Installationsmeister. Erinnerung an Kulisse Netzow
Bürgermeisterin Globke, die am Montag wie an jedem anderen Tag ihrer Arbeit als Postbotin nachgeht, hätte darauf wetten können, dass der Haneke-Film einen Preis abräumt. Nach der Goldenen Palme von Cannes, dem Europäischen Filmpreis und einem Golden Globe wäre das die Krönung für den Film und seinen Schöpfer gewesen, sagt auch Pagel.
Richtig traurig sind beide aber nicht: Die Erinnerungen an die Dreharbeiten, an das aufgeregte Leben bleiben. «Es ist schon erstaunlich, wie viele Menschen heute mit dem Ortsnamen Netzow etwas anfangen können», sagt Globke. Eine Antwort auf die Frage «Was wäre, wenn der Oscar kommt?» hatte sie sich nicht überlegt. Ein Hinweis im Ortsschild wäre nicht infrage gekommen. Dazu seien die Netzower zu bescheiden, meint Globke. Dennoch sollte ruhig daran erinnert werden, dass das Prignitzdorf einmal Kulisse für einen hochdekorierten - wenn auch nicht oscarprämierten - Film war. «Vielleicht ein Gedenkstein», sagt sie. Bis zum Sommer wollen die Bewohner von Netzow noch darüber nachdenken.
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