HALIL AKDENIZ, ERDAG AKSEL, RAPHAEL DANKE, MANUEL GRAF, RITA MCBRIDE, CARLO MOLLINO
organisiert von Raphael Danke und Manuel Graf
ERÖFFNUNG FREITAG, 12. MÄRZ 2010
AUSSTELLUNG 13. MÄRZ – 24. APRIL 2010
Vor tausenden von Jahren hat eine Frau oder ein Mann einen Behälter hergestellt, ein Gefäß, vielleicht ein Netz aus Zweigen oder Fasern, oder einen Beutel aus einem großen Blatt oder aus Leder. Später haben sie dann Behälter hergestellt aus Stein, Holz und irgendwann aus Lehm. Im Grunde aus den gleichen Materialien und in der gleichen Form wie sie ihre Unterkünfte herstellten oder ihre Bedeckung - also eine Haut, eine Hülle in der etwas drin ist, was man schützen will. Die Frau und der Mann denken an Morgen. Was man jetzt isst, ist schon morgen wieder aufgebraucht. Sie brauchen also einen Zukunftsbauch, ein Gefäß wo man das Essen für die Zukunft aufbewahren kann.
Die Formen dieser Gefäße könnte man nun ohne weiteres als Nachahmung von einem Naturvorbild beschreiben, vielleicht als Abstraktion vom eigenen Körper. Aber jeder, der schon einmal ein Gefäß hergestellt hat, geflochten aus Pflanzen oder geformt aus Lehm, der wird diese Aufregung bestätigen, die sich beim Herstellen der einfachsten Formen einstellt. Jenseits vom Streben nach künstlerischer Originalität scheint es ein Bedürfnis nach Formen zu geben, die sich seit Jahrtausenden wiederholen. Sind es möglicherweise d i e s e l b e n bildenden Kräfte, die sich auf verschiedene Weise, unabhängig voneinander, in der Natur u n d in der Kunst zeigen ?
"Ich habe eine Vermutung, daß sie nach eben den Gesetzen verfuhren, nach welchen die Natur verfährt." berichtet Goethe aus Italien, wenn er die Kunst und Architektur der Griechen beschreibt . Wir freuen uns sehr, Arbeiten von Rita McBride, Halil Akdeniz, Erdag Aksel und Carlo Mollino zeigen zu dürfen. Ohne die verbindende Klammer zu sehr zu strapazieren, kann man behaupten, dass alle vier nie die "Anwendung" ihrer Kunst aus dem Blick verloren haben, also die mögliche Nützlichkeit. Alle vier sind Lehrer, sei es durch zahlreiche Publikationen oder im direkten Kontakt mit Menschen.
Zu den Arbeiten der eingeladenen Künstler zeigen Raphael Danke und ich Gefäße aus Keramik, die mal mehr, mal weniger an alte Kulturen erinnern sollen. Halil Akdeniz ist in Anatolien geboren und so stehen bei seinen Zeichnungen Gefäße, die eindeutig an die Hethiter, eine alte anatolische Zivilisation, erinnern. Bei Rita McBrides Arbeit sind die Gefäße nicht so genau zuzuordnen. Sie könnten präkolumbisch, zypriotisch und ägyptisch sein. So versuchen wir das Vergnügen an einem mehrere Jahrtausende umfassenden Zeitsprung zu vermitteln, die Milde und Brüderlichkeit, die man empfindet, wenn man gleichzeitig an Erdag Aksel und seine neolithischen Vorfahren denkt. Oder die Bestürzung darüber wie sehr die Wünsche der Etrusker nach Komfort und Erotik denen Carlo Mollinos ähneln.
Und | Vor Und Zurück
Nach | Rechts Und Zurück
Schwing | Weit Vor, Zurück
Manuel Graf
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