| Lange vergessen und wiederentdeckt: Hans von Aachen Von Elke Silberer, dpa |
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| Mittwoch, 10. März 2010 um 10:58 Uhr | ||
Aachen (dpa/lnw) - Ruppiger Start in eine rasante Karriere: Als der Jüngling Hans von Aachen (1552-1615) bei einem niederländischen Maler in Venedig anklopft, schlägt der ihm fast die Türe vor der Nase zu. Er traut dem jungen Mann nichts zu. Der Rheinländer macht trotzdem seinen Weg: Italien, Deutschland - schließlich Hofmaler von Kaiser Rudolf II. in Prag. Sein Ruhm verraucht im Pulverdampf der Geschichte. Erst 400 Jahre später entdecken ausgerechnet die Aachener ihren verschollenen Sohn wieder, der genau genommen gar kein Aachener ist.
Das Suermondt-Ludwig-Museum zeigt zum ersten Mal das Gesamtwerk des vergessenen Meisters aus der späten Renaissance. Danach geht die Ausstellung «Hans von Aachen - Hofkünstler in Europa» (11.3.-13.6.) mit 87 Leihgaben zu den Kooperationspartnern Prager Burggalerie und Kunsthistorisches Museum Wien. «Man kann ihn nicht in eine Schublade stecken. Er konnte alles», betont Museumsleiter Peter van den Brink die ungewöhnliche Bandbreite des Allrounders: große dramatische Altargemälde, humorvolle Szenen, elegante Porträts bis hin zu raffinierten mythologischen Szenen. Hans von Aachen wandelte zwischen europäischen Kunstwelten, erfasste ihre Besonderheiten und führte sie in seinen Bildern zusammen.
Mit italienischem Charme und nordeuropäischer Innovation bringt er die Romanze zwischen dem leicht bekleideten Weingott Bacchus und der Göttin des Landbaus Ceres auf die Leinwand (Bacchus, Ceres, Amor). Die Eleganz der Figuren, die Pianistenhände des Weingottes, die Anmut, mit der die nackte Schöne ein Weinglas hält - das ist italienische Anmutung.
Ein Knabe reicht dem Paar einen Früchtekorb. Das damals noch nicht voll entwickelte Stillleben wirkt präzise, plastisch und beiläufig. Für den Kurator Thomas Fusenig ist diese europäische Mischung die unverkennbare Handschrift des Malers: «Hans von Aachen malte die antiken Götter mit der italienischen Eleganz gepaart mit der nordeuropäischen Tradition der Bodenständigkeit.»
Die familiären Wurzeln in Aachen, in Köln geboren, Lehre bei einem flämischen Maler, zehn Jahre Italien - Hans von Aachen war ein rheinisch-munterer Wandler zwischen den Welten, der gerne lachte und ein Gläschen Wein trank. Und er war ein Europäer. Bei der «Kreuztragung Jesu» ließ er typisch nordeuropäisch viele Menschen zugucken, hielt die Szenerie aber in den Farben rot, gelb und blau. «Er malt ein nordeuropäisches Bild in venezianischen Farben», stellt van den Brink die Besonderheit heraus.
Kurz nachdem Hans von Aachen stirbt, bricht der 30-jährige Krieg aus. Das war das Ende der Hof- und Hochkultur der Renaissance in Mitteleuropa. «Er stirbt dort, wo der Krieg am schlimmsten wütet», sagt Kurator Fusenig. Der Hofmaler gerät weitgehend Vergessenheit. Seine Werke sind bis in die letzten Zipfel der böhmischen Provinz versprengt, auch in Petersburg und Budapest. Lange scheinen die Werke in Ost und West durch den eisernen Vorhang unwiderruflich getrennt. Hans von Aachen war nur noch Experten ein Begriff.
Das Kunsthistorische Museum in Wien hängt Bilder des Rheinländers in die Nähe von Dürer und Rubens. «Obwohl die Museen weitere Bilder dieser Künstler haben, hängen sie Bilder Karl von Aachen», sieht van den Brink darin ein Zeichen für das hohe Ansehen des Rheinländers. Die politischen Umbrüche machen den Weg frei für das bisher größte Projekt im Suermondt-Ludwig-Museum. Karl von Aachen soll die Massen anziehen. Das Museum erwartet einen neuen Rekord mit mehr als 25 000 Besuchern.
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