Ausstellung in den Meisterhäusern in Dessau-Roßlau versammelt selten gezeigte Werke der Bauhausschüler Werner Graeff und Max Burchartz – zu sehen bis 18. April 2010

Werner Graeff, Kleinkamera Graeff, 1947/48
Foto: Andreas Kühnlein 2010, Stiftung Bauhaus Dessau
Überraschende Facetten der Bauhausgeschichte und wenig bekannte Seitenlinien zeigt eine neue Ausstellung, die noch bis 18. April 2010 im Meisterhaus Kandinsky/Klee, Ebertallee 69/71, zu se- hen ist. Unter dem Titel „Es kommt der neue Ingenieur. Werner Graeff und Max Burchartz am Bauhaus“ versammelt sie Werke der beiden Künstler und Grafiker, die 1921 ans Bauhaus gegangen waren. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Konstruktivismus und Dada, zwischen Bauhaus und DeStijl. Werner Graeff und Max Burchartz gemeinsam ist ihre Entwicklung von der freien Kunst hin zur Gebrauchsgrafik, in der sie die dem modernen Zeitalter des Ingenieurs und der Technik gemä- ße Ausdrucksform fanden. Die Doppelausstellung versammelt frühe Grafik, Ölmalerei der 20er und der 50er Jahre, Fotografien, Werbung, Bücher, Industrieprodukte und Architekturmodelle. Eines ihrer interessantesten Stücke ist eine 1947/48 von Graeff entwickelte Kleinkamera, mit ihren knapp sechs Zentimetern die kleinste ihrer Zeit.

Werner Graeff, Breklosku, 1970/76
Foto: Andreas Kühnlein 2010, Stiftung Bauhaus Dessau
Graeff betrachtete sich als modernen Künstleringenieur, dessen Faszination für die Rationalität des Technischen eingebettet war in einen künstlerischen und gesellschaftspolitischen Überbau. Aus seiner Beschäftigung mit Industrie und Technik entwickelte er Zukunftsvisionen von einem besseren Leben. Burchartz verschrieb sich dem Konstruktivismus zur selben Zeit am selben Ort – allerdings, als breit gebildeter Universalist, mit anderen Mitteln. Doch auch seine Visionen betrafen die Gesellschaft als Ganze: Als Vorreiterin einer umfassenden gesellschaftlichen Veränderung sollte die Malerei die Neugestaltung aller lebenspraktischen Bereiche einleiten – von der Typografie bis zum Städtebau. „Die gute Reklame“, schreibt Burchartz, der sich in den zwanziger Jahren der Wer- begestaltung zuwand, „ist sachlich, ist klar und knapp, sie verwendet moderne Mittel, hat Schlag- kraft der Form, ist billig.“

Werner Graeff, Filmszene
Foto: Andreas Kühnlein 2010, Stiftung Bauhaus Dessau
„Die Geschichte von Werner Graeff und Max Burchartz steht für eine Reihe von sehr überzeugen- den Seitenlinien des Bauhauses“, so Gerda Breuer von der Bergischen Universität Wuppertal, die Kuratorin der Schau, die auch dem Wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Bauhaus Dessau ange- hört. „Der ring deutscher werbegestalter, dem Burchartz als einer der Vorsitzenden angehörte, oder die Mustersiedlung auf dem Weißenhof in Stuttgart, deren PR-Chef Graeff war, sind lebendige Beispiele dieser Geschichte. Gleiches gilt für die größte Fotoausstellung der Zeit, die FIFO des Werkbundes 1929, in der Burchartz ausstellte und zu der Graeff seine berühmte programmatische Schrift „Es kommt der neue Fotograf!“ publizierte. In Berlin entstand parallel die legendäre Filmsze- ne um Hans Richter, dessen Assistent Graeff war, in Hannover Schwitters’ Dada-Kreis, dem Bur- chartz angehörte. Burchartz’ und Graeffs vielleicht interessantester Aspekt ist die gleichzeitige Be- geisterung für das Bauhaus und die Separatisten am Ort, namentlich die Konstruktivisten-Gruppe um van Doesburg.“
Eintritt: 5 € / 3 € (ermäßigt), Di–So 10–18
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