| ERLEBNISWELTEN - NEUPRÄSENTATION der eigenen Kunstsammlung |
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| Montag, 15. März 2010 um 20:18 Uhr | ||
Das Clemens-Sels-Museum Neuss trägt seit diesem Jahr ein neues Logo, das um den Zusatz „Kunst und Kultur erleben“ ergänzt wurde! Bereits das Logo macht deutlich, dass es sich nicht nur um eine äußerlich, sondern auch um eine inhaltlich richtungsweisende Veränderung handelt, die das Museum in diesem Jahr erfahren hat. Indem sich das Haus zum Ziel gesetzt hat, dass den Besuchern die Inhalte als anregende Erlebnisse nachhaltig in Erinnerung bleiben, wird die Präsentation der wertvollen Kunstsammlung einer grundlegenden formalen und konzeptuellen Veränderung unterzogen:
Wo gibt es in unserem schnelllebigen, bildüberfluteten Alltag noch echte visuelle Entdeckungen zu machen als im Museum! Denn die Unvergleichlichkeit des originalen Kunstwerks hat auch in Zeiten digitaler Reproduzierbarkeit nichts an seiner Faszination verloren. Dieses Potential gilt es im Rahmen der Neupräsentation auszuschöpfen. Ausgewählte gattungs- und epochenübergreifende Zusammenstellungen, die durch Ausflüge in die Kulturgeschichte bereichert werden, sollen es ermöglichen, den Blick für das Besondere zu schärfen, Neugier zu wecken und zu lebhaften Diskussionen anzuregen.
So wird es etwa ein Wiedersehen mit den Werken von Jan Thorn Prikker geben. Neben dem bekannten Gemälde „Der Tauzieher“ werden nun sowohl einige großformatige Fensterentwürfe für die Dreikönigenkirche in Neuss als auch ein von ihm entworfenes Schmuckkästchen mit Holzintarsien zu sehen sein, die seine in allen Gattungen vorherrschende, unvergleichliche ornamentale Formsprache erkennbar werden lassen. Seine Kunstwerke leiten über zu den Arbeiten seines namhaften Schülers Heinrich Campendonk, dessen monumentaler „Heiliger Julian“ nach umfangreicher Restaurierung seine ursprüngliche Strahlkraft wieder erlangt hat. Darüber hinaus liefern eine unvollendete Zeichnung und eine verworfene Bildrückseite intime und einmalige Einblicke in das Werk und den Schaffensprozess dieses bedeutenden Rheinischen Expressionisten.
Auch Max Ernst, der sich aus dem Umfeld des Rheinischen Expressionismus zu einem der namhaftesten Surrealisten in Paris entwickelte, wird in der Neupräsentation ein eigenes Kabinett gewidmet. Dort werden erstmals seine grafischen Arbeiten im Bestand des Clemens-Sels-Museums präsentiert und Schlaglichter auf das intellektuelle Umfeld und die poetischen Experimente des weltberühmten Malers geworfen. Neben Büchern zur Ansicht von Dichtern wie Paul Eluard und André Breton, mit denen Max Ernst im Kreise der Surrealisten in Paris verkehrte, wird die wertvolle originale Ausgabe eines seiner legendären Collageromane von 1929 zu sehen sein: Dank der großzügigen Leihgabe von Frau Dr. Irmgard Feldhaus zeigt das Museums das Künstlerbuch „La Femme 100 Têtes“, das Max Ernst aus 146 Collagen und Texten schuf und von der Fachwelt als „visuelles Manifest des Surrealismus“ gefeiert wird. Dass Ernst neben seinem bildnerischen Œuvre auch ein schriftstellerisches Werk von verstörender Intensität schuf, ist bislang nur wenigen bekannt.
Die einmalige Wechselwirkung, die sich innerhalb des Schaffens von Max Ernst und seinem surrealistischen Umfeld entfaltete, wird der Besucher über eine Hörstationsinnlich nacherleben können. Dort werden Auszüge aus der berühmten Vertonung von „La Femme 100 Têtes“ des amerikanischen Komponisten George Antheil (1900- 1959) zu hören sein, die als surreale Musikcollage von 1932-33 akustische Assoziationen und Traumbilder zu den Illustrationen von Ernst entstehen lassen. In dem temporär eingerichteten Max-Ernst-Raum, in dem erstmalig ausgewählte Werke aus der bedeutenden Grafiksammlung des Museums gezeigt werden, wird das gattungsübergreifende Konzept des Clemens-Sels-Museums beispielhaft vorgestellt. So wie der gewählte Titel des Collageromans als geniales Wortspiel schillernde Bilder und rätselhafte Botschaften entstehen lässt, so waren bereits die Präraffaeliten und Symbolisten berühmt für ihre verschlüsselten Botschaften im Bild. Erst durch die Kombination und das vergleichende Nebeneinander berühmter Exponate mit spätgotischen Bildwerken wird die lange Tradition und große Bedeutung offenbar, die Symbolen als Mittler und Überbringer über Jahrhunderte hinweg zukam.
Das neue und zukunftsweisende Konzept des Hauses lässt den Besuch des Clemens-Sels-Museums zu einem immer wieder neuen und nachhaltigen Kunst- und Kulturerlebnis werden! |
























































