| Brandt leuchtet über Erfurt - Umstrittenes Denkmal |
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| Dienstag, 16. März 2010 um 21:29 Uhr | ||
Erfurt (dpa) - «Willy Brandt ans Fenster». Das Skandieren der Erfurter Bürger vor 40 Jahren zählt zu den magischen Momenten der jüngeren deutschen Geschichte. SPD-Kanzler West trifft am 19. März 1970 den Ministerpräsidenten Willi Stoph Ost. Die Verhandlungen rund 25 Jahre nach Kriegsende über den Eisernen Vorhang hinweg bringen das erste Tauwetter im Kalten Krieg. Die Rufe der Passanten, die sich mutig vor dem Hotel «Erfurter Hof» versammeln, demonstrieren den gesamtdeutschen Willen, der sich knapp 20 Jahre später im «Wir sind ein Volk» Bahn bricht.
Viele Erfurter sind stolz auf diese Episode ihrer Stadtgeschichte. Allerdings können sie sich lange Zeit nicht einigen, wie sie dem Geschichtsereignis gerecht werden. Der Durchbruch kommt erst mit dem Wechsel im Rathaus von der CDU zur SPD. Oberbürgermeister Andreas Bausewein schreibt Ende 2006 einen Kunstwettbewerb aus. Gewinner wird der Berliner Lichtkünstler David Mannstein, der den Ruf «Willy Brandt ans Fenster» in Neonbuchstaben auf dem sanierten Gebäude verewigt.
Doch Politiker, Baubehörden und Bürger streiten erst mal zwei Jahre lang über den genauen Wortlaut, über Statik und Haftung. Im Mai 2009 finden die 1,40 Meter hohen Buchstaben endlich den Weg aufs Dach. Vor allem der CDU ist nicht wohl dabei, dass der Name einer SPD-Ikone über der Stadt leuchtet. «Sie hat von Beginn an gegen das Kunstwerk polemisiert», erinnert sich der Jury-Vorsitzende und Leiter der Erfurter Kunsthalle, Kai-Uwe Schierz. Auch zum 40. Jahrestag des Treffens wird von der CDU-geführten Staatskanzlei keine Gedenkveranstaltung geplant.
Das Erinnern bleibt anderen überlassen wie der Friedrich-Ebert- Stiftung und der Willy Brandt School of Public Policy der Universität Erfurt. Sie laden gemeinsam mit anderen Initiatoren an diesem Donnerstag in das Audimax, um einen Film und ein Buch zum Thema zu präsentieren. Außerdem kümmert sich ein rühriger Willy-Brandt-Verein mit 40 Mitgliedern seit knapp zehn Jahren um das Gedenken. Für deren Vorsitzende Karin Dietrich hat der SPD-Politiker ein Vorbild gegeben, das auch heute noch für alle Konflikte weltweit gilt: «Es ist immer wichtig, ins Gespräch zu kommen, auch wenn die Fronten noch so verhärtet scheinen.»
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