| Kultusministerin richtet Werbekampagne neu aus |
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| Mittwoch, 17. März 2010 um 18:47 Uhr | ||
Stuttgart (dpa/lsw) - Die neue Kultusministerin Marion Schick setzt bei der Werbekampagne zur Schulpolitik des Landes andere Akzente als ihr Vorgänger Helmut Rau (beide CDU). Die Eltern aus Zuwandererfamilien würden künftig besonders informiert und einbezogen, sagte Schick bei einer Informationsveranstaltung am Mittwoch in Stuttgart. An den Schulen sollen ein Elternteil und ein Lehrer ein Tandem bilden, um die Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule zu stärken und Informationsveranstaltungen zu begleiten. Als weiteren Schritt schlug sie vor, dass Lehrer mit ausländischen Wurzeln Arbeitsgemeinschaften bilden. Baden-Württemberg hatte in Schulstudien bei der Integration von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien besonders schlecht abgeschnitten.
Die SPD-Fraktion hält das geplante Eltern-Lehrer-Tandem für sehr unkonkret. «Wenn die Kultusministerin das Zusammenwirken zwischen Lehrern und Eltern stärken will, muss sie den Pädagogen mehr Zeit dafür verschaffen», sagte SPD-Bildungsexperte Frank Mentrup. Das sei nur mit mehr Stellen möglich. Der Grünen-Landeschef Chris Kühn sagte: «Die Kultusministerin soll nicht ihre Werbekampagne, sondern die Bildungspolitik des Landes neu ausrichten.»
Die Veranstaltung in Stuttgart galt der neuen berufsorientierten Schulart Werkrealschule, die im kommenden Schuljahr eingeführt und vielerorts die Hauptschule ersetzen wird. Dabei soll diese Schulart nach Überzeugung der Wirtschaft den Übergang von der Schule in die duale Berufsausbildung erleichtern. Die Wahlpflichtfächer in dieser neuen Schulart müssten den Schülern eine stärkere berufliche Orientierung als an der Hauptschule ermöglichen sowie ihre individuellen Stärken schärfen, unterstrich Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Er fügte vor mehreren hundert Lehrern und Verbandsvertretern hinzu: «Wir erwarten, dass der Abschluss der neuen Werkrealschule den Standards einer mittleren Reife voll und ganz entspricht. Es darf keine Mogelpackung werden.»
Hundt kritisierte die geplante Notenhürde beim Übergang zwischen der neunten und zehnten Klasse der Werkrealschule. «Niemand käme auf die Idee, in Realschulen und Gymnasien zusätzliche Hürden im Schuljahr vor dem Abschluss zu errichten, obwohl es auch dort Kandidaten gibt, die Gefahr laufen, das Abschlussziel zu verfehlen.» Auch nach Überzeugung der SPD ist ein «Numerus Clausus» in der neuen Werkrealschule nicht nachvollziehbar. «Dies passt nicht zur Aussage der Kultusministerin, dass es sich bei der neuen Werkrealschule um einen durchgängigen Bildungsgang handelt. So etwas gibt es an keiner der anderen weiterführenden Schularten», sagte Mentrup.
Die Landesvereinigung Bauwirtschaft monierte, dass mit der Werkrealschule eine bestimmte Berufswahl programmiert sei. Denn in der zehnten Klassen haben die Schüler die Wahl, Berufsfachschulen kaufmännischer und gewerblich-technischer Ausrichtung sowie solche mit dem Schwerpunkt Ernährung und Gesundheit zu besuchen. Mit diesen Profilen würden aber ganze Branchen, darunter auch der Bau, ausgeschlossen, kritisierte der Verband. Gerade die Bauwirtschaft habe jedoch Bedarf an Werkrealschülern mit mittlerem Abschluss, um sie als künftige Handwerksmeister ausbilden und damit den Unternehmernachwuchs sichern zu können. Sie wären außerdem geeignet, das mittlere Führungspersonal in einem Bauunternehmen zu stellen. Deshalb müssten Werkrealschüler auch eine normale Berufsschule mit dem Berufsfeld Bautechnik besuchen können. Nur so könne der großen Bedarf der Branche nach qualifizierten jungen Fachkräften abgedeckt werden.
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