| Große Barlach-Schau auf Schloss Cappenberg Von Helge Toben, dpa |
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| Sonntag, 21. März 2010 um 09:37 Uhr | ||
Selm (dpa/lnw) - In seiner Nähe spricht man unwillkürlich leiser und geht langsamer - aus Sorge, den «Schwebenden» zu wecken? Die an schweren Ketten hängende, eindrückliche Figur mit den geschlossenen Augen und den verschränkten Händen vor der Brust ist eines der Hauptwerke in der großen Ernst-Barlach-Retrospektive, die am Sonntag auf Schloss Cappenberg in Selm (Kreis Unna) eröffnet wird. Zu sehen sind rund 60 plastische Arbeiten sowie mehr als 250 graphische Werke des Bildhauers, Schriftstellers und Zeichners (1870-1938), wie der Kreis Unna am Freitag mitteilte. Die Ausstellung unter dem Titel «Expression» ist in Kooperation mit der Ernst Barlach Gesellschaft (Hamburg) entstanden. Laut der Gesellschaft ist es eine der umfangreichsten Werkschauen der letzten Jahrzehnte. Sie endet am 20. Juni.
Barlach, der Beobachter des Menschen: 1906 reiste er zwei Monate nach Russland. «Die Eindrücke des russischen Bauerntums und der Volkskunst sollten prägend für sein gesamtes Werk werden, das sich zwischen Realismus und Expressionismus bewegt», sagt die Kulturreferentin des Kreises Unna, Sigrid Zielke. Barlach konzentrierte sich in seinem Werk auf den Ausdruck existenzieller Zustände wie Hunger, Trauer, Verzweiflung oder auch Freude und Ausgelassenheit. Etwa bei der Skulptur «Der singende Mann»: Die Augen geschlossen, die Hände vor dem Knie gefaltet, sitzt der Mann in einem langen, die Körperkonturen verwischenden Gewand einfach da - und singt.
Die Ausstellung liefert einen umfassenden Überblick: Neben bekannten Werken wie «Der Schwebende», dem «Der Bettler» gegenübergestellt wird, sind auch weniger bekannte Stücke zu sehen wie etwa Porzellanarbeiten oder frühe Werk wie etwa die Zeichnung «Krieg den Philistern» von 1896. Einen besonderen Blick wirft die Schau auf das schriftstellerische Wirken des in Wedel bei Hamburg geborenen Künstlers, dessen Kunst 1937 von den Nationalsozialisten als «entartet» eingestuft wurde. Barlach sei einer der am meisten unterschätzten Dichter dieses Jahrhunderts, behaupten die Ausstellungsmacher. Acht Dramen hat er geschrieben wie etwa «Der arme Vetter» oder «Die Sündflut».
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