| Grass: Kant am DDR-Untergang mitverantwortlich (Mit Bild) |
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| Montag, 22. März 2010 um 19:47 Uhr | ||
Berlin (dpa) - Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass (82) hat den früheren Präsidenten des DDR-Schriftstellerverbandes Hermann Kant (83) mitverantwortlich dafür gemacht, dass die DDR «auf so jämmerliche Weise zu Grunde gegangen ist». Damit sei der Sozialismus derart beschädigt worden, «dass die andere Seite bis heute ihren Nutzen daraus zieht», sagte Grass bei einem im Berliner Ensemble aufgenommenen Streitgespräch mit Kant, das von Radio Bremen und dem Saarländischen Rundfunk aufgenommen wurde (und am Montag bzw. Dienstag ausgestrahlt werden sollte).
Es war das erste Zusammentreffen der Autoren der «Blechtrommel» bzw. der Romane «Die Aula» und «Der Aufenthalt» seit langer Zeit. Anlass war die Buchvorstellung «Günter Grass im Visier - Die Stasi- Akte» von Kai Schlüter (Ch.Links Verlag) über die jahrzehntelange Beobachtung und Beschattung von Grass von 1961 bis 1989 durch Angehörige und «Inoffizielle Mitarbeiter» (IM) der Stasi in der DDR, wozu Grass auch Kant rechnet. Kant selbst hat stets bestritten, Spitzeldienste geleistet zu haben und warf Grass vor, die «Spitzel»- Behauptung auch in dem neuen Buch zugelassen zu haben.
Grass wirft Kant vor allem vor, als damaliger Präsident des DDR- Schriftstellerverbandes im Mai 1979 für den Verbandsausschluss von Autoren wie Stefan Heym, Erich Loest und Jurek Becker gesorgt zu haben, die nach der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976 offen die SED-Kulturpolitik kritisiert hatten. Kant meint rückblickend, er habe keine andere Wahl gehabt, weil sonst der Schriftstellerverband aufgelöst worden wäre, wie ihm «von oberster Stelle» klar gemacht worden sei.
«Selbstredend gab es Sachen, die ich, wenn ich könnte, heute anders machen würden», meinte Kant jetzt dazu. «Aber das ist ein billiger Gemeinplatz, denn ich weiß nicht, was ich damals hätte anders machen sollen.» Grass bescheinigte Kant, den er als Autor nach wie vor schätze und lese, dass er sich für einzelne Autoren auch eingesetzt habe, aber er habe eine größere Verantwortung gehabt, der er nicht gerecht geworden sei.
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