| Merkel will Kulturaustausch mit Türkei ausbauen |
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| Mittwoch, 31. März 2010 um 09:08 Uhr | ||
Istanbul (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will den kulturellen und wissenschaftlichen Austausch mit der Türkei verstärken. Beim Besuch einer deutschsprachigen Schule in Istanbul machte sie sich am Dienstag auch für die Gründung der geplanten deutsch-türkischen Universität stark. «Wir erhoffen uns sehr viel von dieser deutsch-türkischen Universität», sagte Merkel. Sie stellte deutsche Forschungsmittel für das Projekt in Istanbul in Aussicht. Das türkische Parlament wollte noch am Dienstag über die Universität entscheiden.
Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu, selber Absolvent eines deutschsprachigen Gymnasiums in Istanbul, bekräftigte die Bedeutung dieser fremdsprachigen Gymnasien im türkischen Bildungssystem. Diese seien Brücke zwischen den Ländern. «Aber jede Brücke hat zwei Enden», sagte er. Wenn türkische Schüler Goethe lernten, deutsche Schüler sich dann aber auch mit den Lehren des islamischen Mystikers und Dichters Mevlana befassten, werde das Band noch enger. «Die Bildung, die man erhalten hat (...) bildet später die Grundwerte», sagte Davutoglu.
Merkel hatte am Morgen ihre Türkei-Reise mit einem Besuch der Hagia Sophia - eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Welt - fortgesetzt. Seit 1934 ist die einstige Kirche und spätere Moschee ein Museum. Danach besuchte die Kanzlerin die Blaue Moschee. Die 13- Millionen-Stadt Istanbul ist wie Essen Kulturhauptstadt 2010. Merkel trug sich in das Gäste-Buch des Hagia-Sophia-Museums ein. Sie schrieb: «Ein beeindruckendes Meisterwerk der Baukunst in einer Metropole, die seit jeher Heimstatt mehrerer Religionen ist.»
Die Kanzlerin besuchte danach das Alman Lisesi im Istanbuler Stadtteil Beyoglu. 82 Prozent der mehr als 800 Mädchen und Jungen der 1868 gegründeten Schule sind Türken, 18 Prozent Doppelstaatler und Ausländer. Die Kanzlerin ließ sich besonders viel Zeit für die Gespräche. Sie sagte, die geplante deutsch-türkische Universität sei eine gute Fortsetzung der deutschsprachigen Schulen in der Türkei. Auf dem Programm Merkels stand noch die Teilnahme an einem deutsch-türkischen Wirtschaftsforum. Deutschland gehört zu den wichtigsten Handelspartner der Türkei. Zu diesem Treffen wurde auch der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan erwartet.
Merkel und Erdogan hatten sich am Vortag trotz intensiver Gespräche in Ankara kaum angenähert. Beim Auftakt des zweitägigen Kanzlerin-Besuchs bemühten sich beide Seiten zwar um verbindliche Töne, die Streitthemen bestanden aber fort: die Integration von Türken in Deutschland, die Sanktionierung der iranischen Atompolitik und Ankaras Wunsch nach einer Vollmitgliedschaft in der EU, was Merkel ablehnt.
Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Olaf Scholz kritisierte Merkels Haltung zu einem möglichen EU-Beitritt der Türkei. «Wer die Integration türkischer Migrantinnen und Migranten in Deutschland vorantreiben will, darf die Integration der Türkei in die EU nicht für unmöglich halten», sagte Scholz der Online-Ausgabe des «Handelsblatts». Die Politik der Kanzlerin sei «nicht logisch».
Merkel beharrt bisher auf einer «privilegierten Partnerschaft» statt einer Vollmitgliedschaft der Türkei. Als größtes Problem in den Verhandlungen sieht sie derzeit den Zypern-Konflikt.
Zypern ist seit 1974 in einen türkisch-zyprischen Teil im Norden und einen griechisch-zyprischen Teil (Republik Zypern) im Süden gespalten. Der griechische Teil gehört bereits zur EU. Die Türkei weigert sich, seine Flug- und Schiffshäfen für die Republik Zypern zu öffnen. Das verstößt gegen die EU-Regeln. Merkel wollte nach eigenen Angaben mit Erdogan am Dienstag erneut darüber sprechen.
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