| Junge Designer möbeln Schloss Lichtenwalde auf Von Anne Hähnig, dpa |
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| Mittwoch, 31. März 2010 um 09:08 Uhr | ||
Lichtenwalde/Schneeberg (dpa/sn) - Jochen Voigt macht sich keine Illusionen. Er kennt die Jugend. Er ahnt schon, dass Jugendliche nicht in Scharen in die Kunstausstellung in das gerade wieder eröffnete Schloss Lichtenwalde nordöstlich von Chemnitz strömen werden. «Das Manko war von Anfang an, dass die Ausstellung überwiegend betagtere Gesellschaftsschichten anspricht. Das kann aber nicht die Zukunft sein für so einen großen Schlosskomplex», sagt Voigt. Also ist er auf eine Idee gekommen, die nicht nur seiner Arbeit als Kurator der Schatzkammer Lichtenwalde nützt. Sie nützt auch der Fakultät für Angewandte Kunst in Schneeberg.
Hier unterrichtet Voigt als Professor für Holzgestaltung. Es ist eine kleine Fakultät, die zur Westsächsischen Hochschule Zwickau gehört. In Schneeberg lernen rund 150 Studenten, wie man Mode kreiert, Musikinstrumente baut oder Sitzmöbel entwirft. Was dort entsteht, ist schon mit vielen Design-Preisen ausgezeichnet worden. Voigt hatte die Idee, die besten der Schneeberger Objekte in Lichtenwalde auszustellen. Am Karfreitag (2. April) können Besucher die insgesamt rund 100 Exponate in der ehemaligen Remise des Schlosses das erste Mal bewundern. Anfassen, Ausprobieren, Austesten
Gleich am Eingang sehen die Besucher bereits das erste Highlight: eine Sitzbank namens «Wing», die mit dem Sächsischen Staatspreis für Design ausgezeichnet wurde. Im gleichen Raum steht ein Stuhl des Absolventen Jacob Strobel. Der ehemalige Schneeberger Student ist mittlerweile Chefdesigner in einem österreichischen Unternehmen. Sein Stuhl verkauft sich weltweit. Wer will, kann auf den Design-Möbeln noch einmal durchschnaufen vor den kommenden 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche. In dieser Galerie ist erlaubt, ja sogar erwünscht, was anderswo undenkbar wäre: Anfassen, Ausprobieren, Austesten.
Dies gilt besonders für die erste Sonderausstellung. Hier sind verschiedene Holzklötzchen gemeinsam mit anderen Werkstoffen zu fantasievollen Oberflächen zusammengestellt. In wenigen Monaten werden diese Exponate jedoch Platz machen müssen für die nächste Sonderausstellung. Dann werden die besten Diplomarbeiten gezeigt. Vier- bis sechsmal im Jahr, sagt Jochen Voigt, werden die Sonderausstellungen wechseln. Klöppeln mit Metall: eine Schneeberger Domäne
Es ist ein Hauch Modernität, den die Design-Galerie dem altehrwürdigen Schloss Lichtenwalde verleiht. Die Modekollektion von Katrin Sergejew beispielsweise besteht aus zeitgemäßer und funktionaler Kleidung. «Jedes Stück ist einer großen Stadt gewidmet. Die Schnittlinienführung entspricht dem Straßennetz der jeweiligen Metropole», erzählt die ehemalige Studentin, die mittlerweile ihr eigenes Label gegründet hat. «Wir zeigen in Lichtenwalde wirklich nur die Klassiker, da ist es fast schon eine Auszeichnung für die Studenten, wenn ihre Werke hier stehen», sagt Jochen Voigt.
Zu den Klassikern gehören auch geklöppelte Kunstwerke. «Das Klöppeln mit Metall ist mittlerweile eine unserer Domänen», sagt Voigt. Vor rund 15 Jahren begannen Schneeberger Studenten, mit Edelstahl oder Silber zu klöppeln. «Erbpflege» nennt der Kurator diesen Trend, denn die Schneeberger Fakultät ist ursprünglich aus einer Klöppelmusterschule entstanden, die im Jahr 1878 gegründet wurde. Der 2. April 2010 wird vermutlich auch einmal in den Geschichtsbüchern der Schneeberger Fakultät stehen. Eine dauerhafte Ausstellung mit Werken aus allen vier Studienrichtungen hat es noch nie gegeben.
Internet: www.fh-zwickau.de/aks
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