Entwürfe des Bauhaus Kollegs X in Schottland ausgezeichnet – Bäume, Spazierwege
und ein Kino auf Zeit für die lebendige Innenstadt von morgen

Cumbernauld sucht nach seiner Mitte. In der 1956 in Schottland gegründeten Planstadt wurden im vergangenen Jahr Kollegiaten der Stiftung Bauhaus Dessau aktiv – die für ihre Arbeit vor Ort nun mit einem Preis ausgezeichnet wurden. Gegenstand ihrer Entwürfe war das Stadtzentrum der heute etwa 50.000 Einwohner zählenden Mittelstadt, der eine gewachsene Innenstadt weit- gehend fehlt. Ein Town-Center, das als wachsende und damit flexible Betonskulptur im Sinne der Utopien der 1960er als Mega-Structure gedacht war, wurde nie zu Ende gebaut. In den 1980er Jahren wurde die überdimensionierte Fläche der Innenstadt privatisiert und mit großen Einzel- handelsarchitekturen bebaut, die man sonst an der Peripherie von Städten findet. Cumbernauld diente dem Kolleg damit als typisches Beispiel für Entwicklung einer synthetischen Ansammlung von Bauten hin zu einer lebendigen Stadt – und für die Probleme, die mit solchen Prozessen verbunden sind. Letztere führten im Falle von Cumbernauld zu einer schleichenden Verödung der Innenstadt. Um ihr zu begegnen, entwickelten die Kollegiaten eine ganze Reihe von kreativen Vorschlägen für eine zukunftsweisende Stadtplanung.
Drei der fünf Entwürfe, die das Kolleg für die Belebung des Stadtzentrums von Cumbernauld erarbeitet hat, wurden nun vom Cumbernauld Town Centre mit dem mit insgesamt 2.500,– £ dotierten CTC Award augezeichnet. Den ersten Platz teilen sich die Projekte „Walking – Avenue, Plaza & Woods“ von Jian Zhu (China) und „Cumbernow 2010!“ von Edgar Khandzratyan (Arme- nien), Karen Henrique (Brasilien) und João Paulo Alves (Brasilien). Platz drei belegen Prabagaran Kodi (Indien) und Karin Schwambach (Brasilien) mit ihrem „Towncentre for tomorrow“. Alle drei Entwürfe verstehen sich – vor dem Hintergrund einer ins Stocken geratenen politischen Situation – als Beitrag zu einer Reaktivierung und Neubelebung des Zentrums der Reißbrettstadt Cumber- nauld. „Cumbernow 2010“ etwa schlägt vor, in der Stadt ohne eigenes Kino ein jährliches Drive- in-Filmfestival zu etablieren und so auf ein Bedürfnis zu reagieren, das viele Bewohner in einer Vorabstudie geäußert hatten. Ziel des Projekts „Walking – Avenue, Plaza & Woods“ ist eine Aufwertung des Stadtzentrums durch gezielte Baumpflanzungen, Schaffung einer Fußgängerzo- ne mit Geschäften und neue Parkzonen. „Towncentre for tomorrow“ teilt die Innenstadt in Parzel- len, um so eine zielgerichtete, langfristige Entwicklung der einzelnen Cluster zu ermöglichen und der planlosen Entwicklung entgegenzuwirken.
Zwar ist vorerst noch keine unmittelbare Umsetzung der Projekte geplant, im Bewusstsein der Bür- ger und der Stadtverwaltung sind deren Inhalte aber durchaus angekommen. Dafür spricht auch die breite Aufmerksamkeit, die allein die öffentliche Abstimmung über die Entwürfe erzeugte – mehr als 3.000 Einwohner der Stadt entschieden online über die Platzierung. „Mit ihren kreativen Beiträ- gen zur Perspektive des Stadtzentrums von Cumbernauld konnten die Teilnehmer der Kollegs eine festgefahrene Debatte über die Zukunft des Stadtzentrums wiederbeleben“, sagt Wilfried Hacken- broich, Berliner Architekt und Advisor am Bauhaus Kolleg. „Die hohe Qualität der ausgesprochen präzisen Arbeiten und deren professionelle Präsentation zeichnet nicht zuletzt auch das Programm des Kollegs aus, welches die Basis und den Rahmen für diese Arbeiten geschaffen hat.“
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