| Ungerer pur in Schwäbisch Hall - Zyniker und Provokateur Von Roland Böhm, dpa |
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| Mittwoch, 12. Mai 2010 um 06:23 Uhr | ||
Schwäbisch Hall (dpa/lsw) - Als den «Zyniker unter den Zeichnern» haben Kritiker ihn bezeichnet, auch als «spottlustigen Satiriker» und «Moralisten». Tomi Ungerer hingegen sah sich lange Zeit nicht mal als «echten Künstler», wie er am Dienstag - gewohnt bescheiden - in Schwäbisch Hall einräumt. «Verlegen» sei er gewesen, ja regelrecht «unsicher», was die eigene Arbeit betraf. «Erst jetzt denke ich: Mein Gott, da gibt es schon ein paar gute Sachen», sagte der 78-Jährige beim Blick auf die bislang größte Ausstellung seiner Werke. Die Kunsthalle Würth zeigt von Donnerstag an und bis zum 19. September rund 660 Arbeiten des französischen Zeichners, Illustrators und Schriftstellers.
Da er nun vor Augen geführt bekomme, dass er wohl doch ein echter Künstler ist, stehe er wohl «am Beginn einer neuen Karriere», scherzte der rastlose Ungerer in der Ausstellung. «Eklips. Tomi Ungerer. Neues für die Augen von 1960 bis 2010» zeigt sämtliche Facetten seines vielschichtigen Schaffens: von bekannten Zeichnungen und Illustrationen über provokante politische Plakate und liebevolle Kinderbücher bis zu zahlreichen noch nie gezeigten Collagen und Objekten. Rund 50 Arbeiten stammen aus der Kunstsammlung des «Schraubenkönigs» Reinhold Würth, der Großteil der Ausstellung aber aus dem privaten Fundus des Künstlers.
«Immer im selben Stil zu arbeiten, wäre mir zu langweilig», sagt Ungerer, der für seine liebevollen Kinderbücher («Mr. Mellops Go Flying») ebenso berühmt ist wie für seine erotischen Fantasien, Reportagen und Satiren. Die Kunsthalle zeigt sogar einige seiner wenigen Ölgemälde. Kaum ein anderer Künstler wechsele so mühelos zwischen den Stilen, betont Kuratorin Beate Elsen-Schwedler. «Das kennt man sonst nur bei Picasso.»
Wichtige Stationen seines Lebens von Tomi Ungerer lassen sich in der Ausstellung nachvollziehen: Plakate, Werbegrafiken und Cartoons etwa für die «New York Times» symbolisieren Ungerers Durchbruch in den 50er Jahren in den USA. Wie es der Elsässer dann aber für viele Jahre auf der Schwarzen Liste der US-Einwanderungsbehörde brachte, wird ebenso deutlich: mit unnachsichtiger Kritik an der amerikanischen Gesellschaft. Und nicht nur der: Seinen satirischen Band «Babylon», ebenfalls in der Ausstellung zu finden, bezeichnete er als «eine Gesamtschau der heutigen, vom Konsum banalisierten Gesellschaft.»
Den Ruf des drastisch-aggressiven Zynikers sicherte er sich 1969 mit dem Skizzenbuch «Fornicon», einer bissigen Karikatur über Potenzwahn und Sexismus. Das Buch war zeitweise in England verboten, die Kunsthalle zeigt Teile im «Bereich 16 plus» - überschrieben mit dem Ungerer-Zitat «Frauen sind ein notwendiges Vergnügen.»
Auf weit mehr als 40 000 Arbeiten und gut 140 Bücher wird Ungerers Werk heute geschätzt, was ihm bisweilen den Ruf des «Schnellkünstlers» einbrachte. Ganz besonders umfangreich sind auch seine Arbeiten für Kinder. 1963 veröffentliche er mit «Die drei Räuber» eines seiner berühmtesten Kinderbücher. Sein «Großes Liederbuch» von 1975, in dem er gut 200 deutsche Volks- und Kinderlieder illustrierte, gilt weiter als sein größter kommerzieller Erfolg. Im Kinderbereich von «Eklips» hängen die Zeichnungen - meist von Tieren - extra niedriger. Und an bunten Tischen gibt es jede Menge zu stöbern und schmökern: im Bilderbuch mit Zeichnungen von Katzen, im Buch «Fünf fabelhafte Fabeltiere» oder im Klassiker «Heidi» - illustriert von Ungerer.
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