| Kunstmuseum entdeckt Rudolf Steiner Von Anita Pöhlig, dpa |
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| Montag, 17. Mai 2010 um 06:51 Uhr | ||
Wolfsburg (dpa/lni) - Rudolf Steiner (1861-1925) ist vor allem als Begründer der Anthroposophie und der Waldorf-Pädagogik bekannt. Das Kunstmuseum Wolfsburg lässt seine Besucher von Donnerstag an die vielen Facetten des umtriebigen und auch umstrittenen Reformers entdecken: als Ideengeber für Architektur, Malerei, Kosmetik, Design, Tanz, Landwirtschaft und Gesellschaft. «Es gibt eine Ideengeschichte, Steiner hat da eingezahlt und viele Künstler haben sich etwas davon genommen», ist Museumsdirektor Markus Brüderlin überzeugt.
Die Schau, die bis zum 3. Oktober zu sehen ist, ist laut Museum die weltweit erste Retrospektive zum Werk Steiners. Neben dem Kunstmuseum Wolfsburg sind auch das Kunstmuseum Stuttgart und Vitra Design Museum in Weil am Rhein beteiligt.
Die zweiteilige Ausstellung will den ganzen «Kosmos Steiner» zeigen, den Einfluss des Reformers auf Kunst und Gesellschaft. Zeitgenössische Werke von namhaften Künstlern wie Joseph Beuys, Helmut Federle, Katharina Grosse, Tony Cragg oder Olafur Eliasson sollen in dem Teil «Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart» mit seinen Ideen in einen «sinnlichen Dialog» treten. Dabei geht es meist um den Zusammenhang zwischen geistiger und materieller Welt.
Alle ausgesuchten 15 Künstler sind laut Brüderlin keine Anthroposophen. «Wir meinen, wenn Steiner noch leben würde, würde er sich genau für diese Künstler interessieren», erläutert der Museumsdirektor die Auswahl. «Es geht nicht um direkte Ableitungen, wir stellen die Kunstwerke in die Nachbarschaft Steiners», ergänzt Brüderlin. Man könne, müsse die Exponate jedoch nicht Steiner gegenüber stellen.
Da ist etwa der 1925 in Bombay geborene und in London lebende Anish Kapoor. Vor allem seine indischen Wurzeln haben ihn motiviert, sich mit spirituellen Themen zu beschäftigen. Wie bei Steiner spielen bei Kapoor das eigene Innere und das Äußere eine Rolle. Kapoor hat aus Edelstahl einen Spiegel entworfen, drei Meter im Durchmesser und vielfach gebrochen. Zuerst sieht sich der Besucher wie durch ein Kaleidoskop hundertfach, direkt vor dem Kunstwerk ist man dann wieder nur einmal zu sehen.
Zwischen den zeitgenössischen Kunstwerken hängen 40 Tafeln mit Zeichnungen aus der Hand des Reformers. «Steiner hat mehr als 5000 Vorträge gehalten, dabei sind die wiederverwertbaren Tafeln entstanden, insgesamt 1300», erzählt Brüderlin.
Mehr über Steiner und seine vielfältigen Aktivitäten erfährt man im Obergeschoss des Wolfsburger Museums. Dort hat das Vitra Design in der Ausstellung «Die Alchemie des Alltags» anhand von mehreren hundert Exponaten Leben und Wirken Steiners dokumentiert. «Er war schon ein Getriebener», sagt Chef-Kurator Mateo Kries.
In der Übergangszeit vom Jugendstil zur Modernen entwarf er Stühle, die mal organisch, mal kubistisch anmuten, entwickelte seine Eurythmie, einen Tanz- und Bewegungsstil, schrieb etliche Bücher und zu allen erdenklichen Themen, machte sich Gedanken über alternative Landwirtschaft, über Pädagogik und Farbenlehre.
Schon zu Lebzeiten hatte er seine Anhängerschaft, war in den Medien präsent und Leitfigur für viele Künstler. Ob Franz Kafka oder Piet Modrian, Else Lasker-Schüler - viele Künstler standen in direktem Kontakt mit Steiner. Bis heute ist sein Einfluss in vielen gesellschaftlichen Bereichen spürbar. Auch seine Kritiker können sich bis heute an ihm reiben, seine Art Glaubensfragen mit Wissensfragen zu verbinden, ist nicht jedermanns Sache.
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