| «Das klingt wie ich» - Künstler unter einen Hut bringen Von Manfred Präcklein, dpa |
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| Montag, 17. Mai 2010 um 06:51 Uhr | ||
Bamberg (dpa/lby) - Sie erinnert sich noch genau an den Tag, als sie die Ausschreibung für die Leitung des Internationalen Künstlerhauses las. «Das klingt wie ich», dachte Nora-Eugenie Gomringer. «Ja, die Villa Concordia und Bamberg liegen mir am Herzen.» Die 30-Jährige behauptete sich gegen rund 200 Mitbewerber. Vor wenigen Wochen trat sie die Nachfolge von Bernd Goldmann an, der zwölf Jahre an der Spitze der deutschen Villa Massimo stand.
Nora-Eugenie Gomringer ist die einzige Tochter von Eugen Gomringer, dem Vater der deutschen Nachkriegsmoderne und langjährigen Art Director des weltweit renommierten Porzellanherstellers Rosenthal. Und sie ist die einzige von acht Geschwistern, die in die Fußstapfen ihres Vaters tritt. «Meine sieben älteren Brüder gehen alle bürgerlichen Berufen nach.»
Die Lyrikerin ist zwar im Saarland geboren, wuchs aber in der Nähe von Hof a.d. Saale auf. Nur unterbrochen von einem USA-Aufenthalt lebt Nora-Eugenie Gomringer seit 1995 in Bamberg. Dort studierte sie Anglistik, Germanistik und Kunstgeschichte. Ihren Lebensunterhalt finanziert sie sich seit zehn Jahren als freie Autorin. «Als Repräsentantin für Deutschland und die deutsche Sprache wurde ich vom Goethe-Institut gepusht.»
Einen Namen hat sich Nora-Eugenie Gomringer als Poetry-Slam- Künstlerin gemacht. Bei diesem Dichterwettstreit werden selbst geschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit dem Publikum vorgetragen, das anschließend den Sieger kürt. Seit 2001 richtet sie selbst in ihrer Heimatstadt regelmäßig Slam-Sessions aus. 2004 wurde sie bei den nationalen Meisterschaften in Stuttgart zur besten deutschsprachigen Performance-Poetin gekürt. Allein im vergangenen Jahr hat sie 280 Lesungen bestritten. Ende Mai fliegt sie nach Island, dem Schwerpunktland der Frankfurter Buchmesse 2011, um dort literarische Werbung für Deutschland zu machen.
Als neue Direktorin des Internationalen Künstlerhauses bleibt nur noch wenig Zeit für die eigene künstlerische Arbeit. Mit ihr zogen vor wenigen Wochen sieben deutsche und fünf portugiesische Stipendiaten in der Villa Concordia ein. Sie sind allesamt renommierte Künstler aus den Bereichen Bildende Kunst, Literatur und Musik. In dem Gartenpalast zu Füßen des Bamberger Domes sollen sie Zeit und Raum finden, Projekte zu konzipieren, zu realisieren oder fertigzustellen.
«So viel Ruhe und Zeit, wie man sich das von außen vorstellt, haben sie nicht», berichtet die 30-Jährige aus dem Alltag im Künstlerhaus. «Wer renommiert ist, hat Verpflichtungen.» So besteht ihre Hauptaufgabe darin, die Bewohner der Villa Concordia für das Jahresprogramm unter einen Hut zu bringen. «Ich muss versuchen, auf das zu reagieren, was die Stipendiaten einbringen und sie zu kooperativer Arbeit anzuregen.» Um auch eine Interaktion mit der Stadt zu erreichen, arbeitet sie eng mit der Universität Bamberg, insbesondere der Poetikprofessur, und dem Kulturamt der Stadt zusammen.
Mit 32 Jahren ist die Pianistin Laura Konjetzky die jüngste des 13. Stipendiaten-Jahrgangs. Sie ist bekannt dafür, ihr Instrument an ungewöhnlichen Orten aufzustellen. Der Schriftsteller Kurt Kreiler, der Musiker Paul Engel und die Komponistin Viera Janárceková sind dagegen schon fast doppelt so alt. Die Schweden, die im vergangenen Jahr zu Gast in Bamberg waren, waren deutlich jünger. «Das liegt daran, dass dort die Förderung wesentlich früher einsetzt und intensiver betrieben wird als in südlicheren Ländern», erklärt die Künstlerhaus-Chefin.
Nora-Eugenie Gomringers Vertrag ist zunächst auf fünf Jahre befristet. Für sich selbst erwartet sie einen Zuwachs an Erfahrungen und Begegnungen. Die Organisation der regelmäßigen Großplastiken- Ausstellungen will sie auch künftig ihrem Vorgänger Bernd Goldmann überlassen. Sie wünscht sich, dass während ihrer Zeit auch einmal Künstler aus Südamerika nach Bamberg kommen. «Schließlich stammt mein Vater aus Bolivien.»
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