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Abstrakte Kunst


von Michael Külbel




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Kunst & Kultur

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Ruhr.2010 exportiert «Cinecittá Aperta» nach Istanbul Von Constanze Schmidt, dpa PDF Drucken E-Mail
Montag, 17. Mai 2010 um 06:51 Uhr

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Istanbul (dpa/lnw) - Von der Ruhr an den Bosporus - der Ausflug ist gelungen: Mit rhythmischem Klatschen und überraschend einhelliger Begeisterung hat das Istanbuler Publikum auf die Premiere von Renè Polleschs «Cinecittá Aperta» reagiert. Das Theaterensemble gastiert dort im Austausch der beiden diesjährigen europäischen Kulturhauptstädte Ruhr.2010 und Istanbul 2010. Es bringt den zweiten Teil der «Ruhrtrilogie» - eine Koproduktion der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und des Mülheimer Ringlokschuppens - während des 17. Internationalen Istanbuler Theater Festivals. Mit großer Spannung hatte man sich zuvor gefragt, ob das so typisch deutsche Text- und Diskurstheater von René Pollesch überhaupt zum Export taugen würde. Zumal schon die Sprachbarriere ein unüberwindliches Hindernis hätte sein können.

 

Tatsächlich waren weder Skepsis noch Unverständnis im Saal zu spüren. Das kleine Haldun-Taner-Sahnesi-Theater ­ ein ehemaliges Kino ­ auf der asiatischen Seite der 15-Millionen-Metropole war voll, das Publikum hellwach und spürbar amüsiert. Und sogar die anschließende ausführliche Diskussionsveranstaltung war gut besucht. Die Mülheimer Uraufführungsversion vom letzten Jahr ist auf die völlig veränderten Aufführungsbedingungen des Gastspiels am Bosporus angepasst und natürlich türkisch übertitelt worden.

 

In Mülheim spielte «Cinecittá Aperta» open air auf einer riesigen Brache, das Publikum saß unter einem an den Seiten offenen wackeligen Zelt auf weißen Plastikstühlen, die Bühne war das öde Gelände, auf dem sich weit verstreut ein paar Caravane, eine kleine Bühne und in der Ferne ein paar angedeutete Filmkulissen verteilten. Direkt vor der Nase hatten dort die Zuschauer eine Leinwand, auf der mal schwarz-weiß, mal farbig per Video übertragen wurde, was sich in den Wohnwagen oder in weiter Entfernung abspielte. In Istanbul nun gibt es lediglich eine karge kleine Bühne, einen geblümter Vorhang, Projektionsflächen und sonst nichts. Aus der Konserve kommt per Video das, was in Mülheim an open-air-Action aufgezeichnet wurde, dazu eine Live-Kamera: Sie folgt den Schauspielern hinter die Bühne und zu einigen Episoden im wimmelnden Umfeld des Theaters direkt an einer Anlegestelle sogar nach draußen.

 

Wie es üblich ist bei Polleschs Diskurstheater, gab es bereits in Mülheim keine Handlung im traditionellen Sinne. Die Textmassen verteilen sich auf drei Schauspielerinnen und zwei Schauspieler, die zwar im Programmheft unter Rollennamen geführt werden, tatsächlich aber die Rollen, Identitäten und Geschlechter laufend wechseln. In Istanbul kann durch die zusätzliche Verfremdungsebene der eingespielten Mülheim-Sequenzen noch viel weniger von einer Handlung die Rede sein. Nach wie vor aber geht es pausenlos darum, dass angeblich ein Film gedreht werden soll, aber man weiß nicht genau, ob überhaupt und, wenn ja, was für ein Film.

 

Ansonsten spielt sich die Istanbuler Version von René Polleschs postdramatischem Hochgeschwindigkeits-Theater in nochmals beschleunigter Drehzahl vorwiegend auf der kleinen Theaterbühne ab, wo die Schauspieler des Öfteren bloß herumstehen und im hämmernden Stakkato ihre Diskursgirlanden absondern. Das bisweilen Statuarische dieses Istanbuler Abends ist jedoch kein Nachteil, es scheint vielmehr Polleschs Theater sogar auf den Punkt zu bringen. So kreist es denn analysierend, ironisierend und hysterisierend um Darwin und Marx, Foucault und Agamben, Helmut Kohl und Marcel Reich-Ranicki. Und die Istanbuler vergnügen sich bestens. Polleschs Kapitalismuskritik und die Klage über die totale Ökonomisierung aller Lebensverhältnisse bedürfen offenbar keiner Übersetzung in einen anderen kulturellen Kontext. Auch das ist Globalisierung.

 

 

www.ringlokschuppen.de

 



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