| Pommersches Landesmuseum erweitert Dauerschau Von Martina Rathke, dpa |
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| Dienstag, 18. Mai 2010 um 06:34 Uhr | ||
Die Geschichte Pommerns war in der DDR ein Tabuthema. Nach der Wiedervereinigung wurde in Greifswald das Pommersche Landesmuseum gegründet. Lange mussten Besucher jedoch auf die Erweiterung der landesgeschichtlichen Ausstellung warten. Am 9. Juni ist es soweit.
Greifswald (dpa) - Eine hohe Kinderstimme stemmt sich noch gegen den Baulärm von Bohrern und Hämmern. «Maikäfer flieg, dein Vater ist im Krieg. Deine Mutter ist im Pommerland, und Pommerland ist abgebrannt», tönt es leise aus einem Lautsprecher an einer Vitrine im neuen Ausstellungsabschnitt des Pommerschen Landesmuseums in Greifswald. «Das Lied entstand im Dreißigjährigen Krieg und verbreitete sich deutschlandweit», erzählt Ausstellungsleiter Stefan Fassbinder, während hinter ihm Exponateinrichter Ausstellungsobjekte ins rechte Licht rücken.
Pommern war eine gebeutelte Region: Zwischen 1618 und 1648 verlor der Landstrich zwei Drittel seiner Bevölkerung, in 46 der 167 nachfolgenden schwedischen Jahren wurde die Region von Kriegen überzogen. Doch es gab auch Lichtpunkte, wie die Ausstellung zeigen wird. Hier entstand die erste landwirtschaftliche Akademie Preußens. Pommern wuchs im 19. Jahrhundert zur Kornkammer Deutschlands heran. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Usedom zur «Badewanne Berlins». In knapp einem Monat, am 9. Juni, öffnet die Ausstellung, die einen Bogen von der Schweden- bis zur Preußenzeit um 1900 schlägt.
Dass es fünf Jahre gedauert hat, bis die Dauerausstellung um die drei Jahrhunderte pommerscher Geschichte erweitert wurde, ist Museumsdirektor Uwe Schröder zufolge den begrenzten Ressourcen des Museums geschuldet. Zwei Historiker konzipierten die Schau. Anders als in anderen landesgeschichtlichen Museen konnten sie auf keine kontinuierliche Forschungstradition zurückgreifen.
Nach der Teilung Pommerns infolge des Zweiten Weltkrieges wurde der Name des Landstrichs aus dem DDR-Sprachgebrauch fast vollständig getilgt. So musste die Pommersche Evangelische Kirche 1968 ihren Namen auf politischen Druck hin in Evangelische Kirche in Greifswald ändern. Als ausgesprochen junges Museum - es wurde 1996 gegründet - stand die Einrichtung vor einem weiteren Problem: Ohne größere eigene Bestände mussten Exponate angekauft, über Leihgaben musste verhandelt werden. Finanziert wird die Ausstellung aus dem 1996 festgelegten Anfangsetat von 20 Millionen Euro von Bund und Land.
Ausstellungsprofis wie die Firma Fißler aus Niederschöna bestücken derzeit die Vitrinen mit den Exponaten. Die Einrichter, die bereits Ausstellungen in Tirol, in der Gedenkstätte Bergen-Belsen oder im Deutschen Hygienemuseum Dresden verantworteten, inszenieren etwa aus Helmen und Hellebarden eine lebendige Szenerie. In einem anderen Glaswürfel bringt das Team um Thomas Fißler und Daniel Klawitter ein Votivschiff, ein in Kirchen hängendes Schiffsmodell, zum Schweben. «Die große Herausforderung ist es, das Handwerkliche mit dem Ästhetischen zu verbinden», sagt Fißler.
Rund 1200 Exponate, Modelle und Medieninstallationen werden für den 450 Quadratmeter großen neuen Ausstellungsabschnitt in Position gebracht. Rund 80 Prozent der Stücke stammen aus dem eigenen Bestand. Leihgeber kommen aus dem In- und Ausland: Neben dem Deutschen Historischen Museum steuern Museen und Privatsammler aus Schweden, den USA, Polen und Brasilien Exponate bei.
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