| Rückkehr nach Dresden - Gerhard Richter im Albertinum |
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| Mittwoch, 19. Mai 2010 um 06:59 Uhr | ||
Gerhard Richter ist einer der bedeutendsten Gegenwartskünstler. Seine Werke erzielen Höchstpreise und hängen in den wichtigsten Kunstmuseen der Welt. Der gebürtige Dresdner ging kurz vor dem Mauerbau in den Westen, lebt und arbeitet in Köln. Nach der Wende hatte Richter seine Heimatstadt «wiederentdeckt». Seit Jahren arbeitet er mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zusammen.
Dresden (dpa) - Der Maler Gerhard Richter gestaltet derzeit die beiden ihm vorbehaltenen Räume der Galerie Neue Meister im sanierten Dresdner Albertinum. Es ist zugleich ein Bekenntnis des 78-Jährigen zu seiner Heimatstadt. «Es ist etwas Zwingendes, das kann gar nicht woanders sein», sagte er am Dienstag in Dresden. Mit den Sälen macht Richter die Elbestadt zu einer wichtigen Kunstadresse. «Ich glaube, zwei Räume hat niemand.» Das Ausstellungsgebäude für die Galerie und die Skulpturensammlung wird nach sechsjähriger Sanierung und dem Einbau eines Kunstdepots Mitte Juni als «Haus der Moderne» eröffnet.
In einem der Richter-Säle geben zwölf Arbeiten einen Überblick über dessen Schaffen seit 1963, in dem anderen warten neue Arbeiten auf ihre Hängung: 42 Hinterglasbilder eines für Dresden geschaffenen Werkes. Zudem wird eine 2008 konzipierte Glas-Stahl-Installation erstmals aufgebaut. Dresden und seine Bauten hätten ihn schon als Student beeindruckt, sagte Richter. «Ich habe erst gemerkt, als ich vor acht Jahren wiederkam, wie toll es hier ist und wie sehr es mich geprägt hat.»
Die Wertschätzung für die Stadt sei geblieben, das Engagement für Dresden «Selbstverständlichkeit». Nach der Flutkatastrophe 2002 hatte Richter sein abstraktes Gemälde «Fels» für eine Auktion moderner Kunst gespendet, bei der rund 3,4 Millionen Euro für ein neues Kunstdepot zusammenkamen. Die ursprünglichen Aufbewahrungsorte waren unbenutzbar geworden. Der «Fels» hängt nun als Leihgabe inmitten weiterer Werke des Künstlers, von Sammlern und Stücken aus dem Dresdner Bestand.
Dazu gehört auch das «Porträt Dr. Knobloch» von 1964, das 2009 für das Gerhard Richter Archiv Dresden angekauft worden war. Abstrakte Bilder, «Die Sekretärin» aus der Sammlung des Bundes, «Motorboot» und «Tante Marianne», stehen schon bereit. Letzteres, ein frühes Meisterwerk von 1965, gehört einem Unternehmer aus Taiwan. Nach einer Fotografie aus dem Familienalbum entstanden zeigt das Schwarz-Weiß- Doppelporträt den Maler 1932 als vier Monate altes Baby auf dem Schoß seiner 14 Jahre alten Tante Marianne in Dresden, die 1945 als Euthanasie-Opfer starb.
Noch im Entstehen ist die Installation im Nebenraum, wo neun drei mal zwei Meter große Scheiben in ein Stahlgerüst eingepasst werden. «Durch die kann man gucken, ist nachher auch nicht klüger, es ist ein bisschen symbolisch», sagte der Maler. Gute Kunst müsse unverständlich sein, auch für ihn selbst. «Das Leben verstehen wir ja auch nicht ganz.»
Richter hatte 1996 erstmals in Dresden ausgestellt, 2004 gab er 41 Bilder aus seinem Fundus und privaten Sammlungen als Leihgaben an die Elbe. 2005 war sein RAF-Zyklus im Albertinum zu sehen, bis 2006 krönten drei Richter-Säle die Galerie Neue Meister. Mit den Räumen wird nun dem Künstler, aber auch den Kunstsammlungen eine weitere Ehre zuteil. «Es ist schön, ein bisschen wie ein Denkmal», sagte Richter, für den eine Rückkehr an die Elbe aber kein Thema mehr ist. «Ich hatte mal dran gedacht, mich aber dagegen entschieden.» Er wohne und arbeite in Köln. Er sei nicht Dresdner, sondern Weltbürger - mit Heimatgefühl. «Ich bin einer von hier, der aber rübergemacht ist.»
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