| Soziologe: Kultur muss Vorbild beim Sparen sein |
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| Dienstag, 25. Mai 2010 um 06:32 Uhr | ||
Sondershausen (dpa/th) - In der Wirtschaftskrise muss die Kultur nach Ansicht des Soziologen Norbert Sievers ein Vorbild beim Sparen bieten. «Großprojekte wie die neue Elbphilharmonie in Hamburg können wir uns zurzeit nicht leisten. Das ist für die Stimmung fatal», sagte der Geschäftsführer der Kulturpolitischen Gesellschaft in Bonn der Nachrichtenagentur dpa.
Gleichzeitig warnte er die Kommunen davor, die Kultur kaputt zu sparen. Theater, Museen und andere kulturelle Einrichtungen zählten zu den entscheidenden Standortfaktoren. Der Soziologe sprach am Freitag auf einem Forum des Thüringer Kultusministeriums in Sondershausen, auf dem künftige Schwerpunkte der Kulturpolitik beraten wurden.
«Wir müssen den soliden Haushälter hervorkehren, um die Position der Kultur nicht zu schwächen», sagte Sievers. Die Kultur verfüge in der aktuellen Spardebatte über starke Fürsprecher und gute Argumente, dürfe ihrerseits aber nicht die Augen vor der Realität verschließen. «Besonders im Klassikbereich fehlt das Publikum. Die Zahl hat sich in den vergangenen Jahrzehnten halbiert. Deshalb wird in den nächsten Jahren das ein oder andere Haus schließen müssen.»
Diese bedrohliche Entwicklung dürfe jedoch nicht dazu führen, «dass wir den Kopf in den Sand stecken». Vielmehr setzt der Soziologe auf neue Initiativen. «Die Kultur muss zeigen, dass sie lebt: "Wir tun was" - das muss das Signal sein.» Dafür sollte auch die Kulturfinanzierung überprüft werden. «Im Moment fließt das Geld noch immer in die großen Tanker; die freie Szene, die viel neues Publikum heranzieht, geht oft leer aus.»
Für Thüringens engmaschiges Theater- und Orchesternetz sieht Sievers die Chance im Tourismus. «Ich fahre immer gerne hin, muss mir aber auch keine Gedanken machen, wie das zu finanzieren ist.» Allerdings gebe es keine Gewähr, dass der Kulturtourismus wirklich trägt. Bei kulturellen Leuchttürmen wie Weimar, die bundesweite Ausstrahlung besitzen, müsse auch der Bund in die Verantwortung genommen werden.
Gespräch: Ingo Senft-Werner, dpa
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