| «Bislang unterbewertet»: Große Kunst in Rostock Von Anette Pröber, dpa |
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| Donnerstag, 27. Mai 2010 um 06:41 Uhr | ||
Rostock (dpa/mv) - Eine Schau in drei Kunsträumen - das gab es in Mecklenburg-Vorpommern noch nicht. Das Kulturhistorische Museum sowie das Max-Samuel-Haus in Rostock und die Güstrower Ernst-Barlach- Stiftung zeigen von Donnerstag (27. Mai) an ihr großes Gemeinschaftsprojekt «Schönheit pur. Mecklenburg - ein Land für Künstler, 1900 bis 1945». Umfassend wie nie zuvor werden die Künstler der Region präsentiert, die die Schönheit der weiten, mecklenburgischen Landschaft in ihren Werken spiegelten - die aber auch die drei Systeme Kaiserreich, Weimarer Republik und NS-Staat miterlebten und auf ihre ganz eigene Weise verarbeiteten.
«Deshalb ist nicht nur Schönheit zu erleben», kündigt Heidrun Lorenzen, Leiterin des Kulturhistorischen Museums und Kuratorin der Schau, an. Das Spektrum reicht von den bekannten Malern der Künstlerkolonien in Schwaan und Ahrenshoop bis zur Rostocker Malerin Kate-Diehn Bitt (1900-1978), die die Ängste und Zerstörungen Rostocker Bombennächte im Zweiten Weltkrieg darstellte.
Ausgespart werden aber auch nicht die Wandlungen von Künstlern, die sich anpassten und dem NS-Regime genehme Arbeiten schufen. Zu sehen sind beispielsweise «Die Ahnensäule» von Rudolf Gahlbeck (1895- 1972), Motive wie das «reife Kornfeld» oder Skizzen von Bauarbeiten, die der Verherrlichung des NS-Systems dienten. Diese Werke stehen im Kontrast zu denjenigen der «entarteten» Kunst, die von den Nazis diffamiert und beschlagnahmt wurden.
Im Kulturhistorischen Museum hängen Werke beider Richtungen unmittelbar nebeneinander. «Leider sind nur noch wenige Zeugnisse der von den Nazis zerstörten Kunst vorhanden», erklärt Volker Probst von der Barlach-Stiftung. In Güstrow sind jedoch zwei wertvolle Zeichnungen von Ernst Barlach (1870-1938) sehen: das «Menschenpaar» und die «Mutter Erde».
Zu den vielen Überraschungen, die die wissenschaftlichen Arbeit über die Kunst in Mecklenburg zutage förderte, gehören auch völlig neue Namen. «Die Kunst in Mecklenburg ist immer unterbelichtet und unterbewertet gewesen. Hier im ländlichen und wirtschaftsschwachen Raum vermutete niemand große Talente», meint Lorenzen. Wer hätte um 1910 schon abstrakte Kunst gedanklich in Rostock angesiedelt? Endlich würden nun auch die Werke der Rostocker Zeichenlehrerin Elsbeth Huther (1885-1968) in ihrer wahren Bedeutung gewürdigt.
Überhaupt seien viele Frauen ihrer Zeit weit voraus gewesen, betont Lorenzen. Dazu zählt sie beispielsweise Anna Gerresheim (1852- 1921), Mitbegründerin der Künstlerkolonie Ahrenshoop, und Hedwig Woermann (1879-1960), die von 1919 an in Wustrow lebte und mit der «Ruhenden Mutter mit Kind vor Landschaft» ein Zeitdokument ungewöhnlich kühler Sachlichkeit schuf.
Als kunsthistorische Entdeckung zählt außerdem die Tatsache, dass es in Rostock bereits 1908 - zu einer Zeit, als sich Edvard Munch (1863-1944) in Warnemünde erholte - eine Ausstellung mit Werken der einflussreichen Künstlergruppe «Brücke» gab. Allerdings ohne größere Anteilnahme, weshalb die Schau nahezu in Vergessenheit geriet.
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Eine gelunge und notwendige Ausstellung mit einem umfangreichen Katalog, der durchaus noch mehr Informationen verdient hätte, und vielleicht eine Fortsetzung (nach 1945)?!