| «Emscherkunst» startet: Neues Leben für «Kloake des Reviers» Von Rolf Schraa, dpa |
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| Samstag, 29. Mai 2010 um 06:46 Uhr | ||
Abwässer von 2,5 Millionen Menschen im Ruhrgebiet fließen offen durch die Emscher. Die viele Jahre sogar von den Nachbarn gemiedene Emscherinsel wird jetzt zum Naherholungsraum umgebaut. Ein Großprojekt der Kulturhauptstadt soll dabei helfen.
Essen/Gelsenkirchen (dpa) - Am größten Abwasserfluß des Ruhrgebiets, der Emscher, startet die Kulturhauptstadt ein spektakuläres Kunstprojekt: Zwischen Oberhausen und Castop-Rauxel präsentieren international bekannte Künstler über 34 Kilometer unter dem Motto «Emscherkunst» 20 Großskulpturen. Das Projekt startet am Samstag und dauert wie die «documenta» 100 Tage. Es ist für Besucher kostenlos.
Die Kunst auf der «Emscherinsel» genannten Fläche zwischen dem Fluss und dem parallel verlaufenden Rhein-Herne-Kanal solle helfen, die lange auch von Anwohnern gemiedene Gegend für die Menschen zu erobern, sagte Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff am Donnerstag. Die Insel soll so schrittweise zum Naherholungsgebiet werden. Eine Skulpturenausstellung werde künftig im Zwei-Jahres- Rhythmus wiederholt, sagte Grosse-Brockhoff.
Bis heute ist die Emscher der wichtigste Abwasserkanal für rund 2,5 Millionen Menschen im Ruhrgebiet. Die Emschergenossenschaft, gemeinsamer Wasserverband der Anrainerkommunen, arbeitet seit rund 15 Jahren aber daran, die Abwässer unterirdisch abzuführen und die Emscher wieder zu renaturieren. Für dieses Riesenprojekt seien bereits mehr als zwei Milliarden Euro verbaut worden, sagte der Chef der Genossenschaft, Jochen Stemplewski. «Wir machen aus dem Hinterhof des Ruhrgebiets einen Vorgarten - mit spektakulärer Kunst und ohne Gartenzwerge.»
«Emscherkunst» ist mit rund elf Millionen Euro Gesamtvolumen eines der wichtigsten Projekte der Kulturhauptstadt. Kunstwerke greifen die Gegenwart des Flusses und der Region auf - etwa bei der Installation «Between the waters» der slowenischen Architektin Marjetica Potrc und des niederländischen Architekturbüros Ooze mit zwei hängenden Klos über dem Fluss und einer künstlerisch gestalteten Wasserreinigung. Der «Carbon Obelisk» der amerikanischen Bildhauerein Rita McBride nimmt auf die Kohletradition des Ruhrgebiets Bezug.
Für die Zukunft der Region steht eher die begehbare Holzbrücke «Warten auf den Fluss» der niederländischen Gruppe Observatorium. In dem Brückengebäude mit Schlaf-, Aufenthalts- und Sanitärräumen kann man ausruhen und sogar übernachten.
Auf der Emscherinsel, die nicht zuletzt wegen des Gestanks jahrzehntelang tatsächlich praktisch unzugänglich war, werden jetzt viele tausend Besucher erwartet. Die Organisatoren bieten Leihfahrräder, Ausflugsschiffe verkehren auf dem Fluss. Durch den Bau neuer Kläranlagen habe sich die Umweltqualität schon gewaltig verbessert, berichtete einer der Künstler von «Observatorium». «Ich habe hier übernachtet. Früh morgens hören Sie Füchse, Spechte, Finken. Es ist wunderbar.»
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