| «Deutschlands größter Kühlschrank» wird Kulturzentrum Von Helge Toben, dpa |
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| Samstag, 29. Mai 2010 um 06:46 Uhr | ||
Dortmund (dpa/lnw) - Wo einst die Maische gärte, sollen nun die kreativen Köpfe rauchen: Wieder einmal ist im Ruhrgebiet ein ziemlich heruntergekommener Industriekomplex in eine Kulturattraktion verwandelt worden. Das Hauptgebäude der «Dortmunder Union»-Brauerei, lange Zeit größte Braustätte Deutschlands, ist nun ein «Zentrum für Kunst und Kreativität». Am Freitagabend wurde der erste Abschnitt des «Dortmunder U» unweit des Hauptbahnhofs eröffnet. 50 Millionen Euro kostete der Umbau. Für Ruhr.2010-Chef Fritz Pleitgen ist der Koloss ein «Symbol für Kraft und Zuversicht».
U? U! Vier große, neun Meter hohe und mit Blattgold überzogene U- Leuchtbuchstaben, das Firmenlogo, krönen das Dach. Sie gaben dem einstigen Gär- und Kühlhaus seinen Namen. Nutzer werden oder sind etwa ein Kunstmuseum, die Dortmunder Hochschulen, ein Medienkunstverein und ein Zentrum für Kreativwirtschaft. Eröffnet wurden zunächst die ersten drei der sieben Obergeschosse. Vier Ausstellungen sind zu sehen. Bis zum 8. Oktober, dem Tag der Gesamteröffnung, sollen die weiteren Etagen schrittweise eingerichtet werden.
Sein Gesicht gibt dem 67 Meter hohen Backstein-Ungetüm der Dortmunder Filmkünstler Adolf Winkelmann, der etwa «Contergan» drehte und dafür den Deutschen Fernsehpreis bekam. Auf 56 transparenten Leuchtdioden-Matten, die teilweise über 18 Quadratmeter groß sind, zeigt der 64-Jährige in der Dachkonstruktion Filmaufnahmen mit Revier-Bezug - eine «Bilderuhr». Zu sehen sind etwa Tauben, schäumendes Bier oder Aufnahmen aus dem Ikea-Großlager in Dortmund. Noch ein paar Monate, dann sollen sich Smartphone-Besitzer auch den passenden Ton von ihrem Multimedia-Handy vorspielen lassen können. Winkelmann fühlt sich dem U sehr verbunden. Er wohnte als Kind in der Nähe und nennt das Gebäude «Deutschlands größten Kühlschrank». Selbst im Sommer war es bis zur Einstellung der Bierproduktion 1994 möglich, die Innentemperatur auf Null Grad zu senken.
Annäherung an das U: Im Foyer schon wieder Winkelmann. Diesmal Filme auf elf Leinwänden - in U-Form: «Das einzig echte, wirklich wahre Bild des Ruhrgebiets», wie er in einem Interview sagte. Ein Motorschiff auf einem Kanal, eine Bergbaumaschine in Nahaufnahme, eine Müllsortieranlage - geruchlos, aber mit Ton. Weiter geht es ins offene Treppenhaus: rund 40 Meter hoch, der Blick nach oben macht ein wenig schwindelig. An der weißen Außenwand der dritte Teil von Winkelmanns Gesamtinstallation «Die Reise ins U»: Diesmal sind es kleine Szenen mit Schauspielern wie Dietmar Bär, Peter Lohmeyer oder Katharina Wackernagel, die «Geständnisse» preisgeben. Ein von Bär gespielter «Ruhrkardinal» gibt etwa zu, wie er einst einer jungen Hausfrau beim Umziehen zuschaute.
Bei soviel Winkelmann haben es die vier Ausstellungen schwer. Zu Unrecht: So zeigt etwa der Hartware MedienKunstVerein in «Building Memory» vier Videoarbeiten, in denen sich die Künstler mit der Architektur von Gedenkstätten und Mahnmalen als Orten für Erinnerung und Geschichte auseinandersetzen. Der Fachbereich Design der FH Dortmund präsentiert rund 1000 Fotos aus einem internationalen Wettbewerb zum Thema «The Market».
Das große Haus hat große Pläne. Die FH will im U ein «Institut für Bewegtbildstudien» aufbauen. Die TU plant einen «Campus in der Stadt» mit Seminar- und Ausstellungsräumen. Ein Sonderforschungsprojekt soll sich etwa damit befassen, wie künstlerisches Denken für die Wirtschaft fruchtbar gemacht werden kann. In einem «Zentrum für kulturelle Bildung» sollen sich junge Menschen mit digitalen Medien künstlerisch auseinandersetzen.
Wer von all der Kunst genug hat, kann ab August ganz nach oben fahren. In das siebte Obergeschoss, das sich durch einen «Kathedrale» genannten 15 Meter hohen Raum auszeichnet, wird ein Restaurant einziehen. Bis zu 500 Menschen sollen dort Platz finden. Und wenn es zu eng wird, geht es auf die Außenterasse. Der Betreiber verspricht schon jetzt einen atemberaubenen Blick.
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