| Doppel-Schau zum Jubiläum von Meissener Porzellan Von Jörg Schurig, dpa |
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| Mittwoch, 05. Mai 2010 um 06:57 Uhr | ||
Dresden/Berlin (dpa/sn) - Das zerbrechliche Meissener Porzellan sollte im 18. Jahrhundert nicht selten politische Allianzen stützen. Als «Bestechungsgeschenk» war das Weiße Gold bestens geeignet, andere Höfe zu besänftigen oder auf Treue einzuschwören. «August der Starke hat das Porzellan instrumentalisiert - zur Repräsentation seiner Macht», sagt der Chef der Porzellansammlung Dresden, Ulrich Pietsch. Mit der Erfindung des europäischen Hartporzellans war den Sachsen 1708 ein Coup gelungen, 1710 gründeten sie die Manufaktur Meissen. Bis dato musste die begehrte Ware teuer aus Asien importiert werden.
Bekanntlich gingen einige politische Projekte des «starken August» auch zu Bruch. Auf seinen Kunstsinn konnte sich der Herrscher, der bei sich selbst eine «maladie de porcelaine» (Porzellankrankheit) diagnostizierte, dagegen immer verlassen. Einmal schenkte er an seinem eigenen Geburtstag Zar Peter dem Großen eine Uhr mit einem Gehäuse aus Porzellan. Als Gegenwert erhielt der sächsische Kurfürst und polnische König lebende Eisbären und Polarfüchse aus dem Norden Russlands. Die Tiere waren für die Menagerie Augusts des Starken in Warschau gedacht.
Die Porzellan-Uhr gehört nun zu einer Ausstellung, mit der die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ab diesen Samstag den 300. Geburtstag der Porzellan-Manufaktur feiern. Unter dem Titel «Triumph der Blauen Schwerter» steht Porzellan aus dem 18. Jahrhundert im Mittelpunkt. «Die Ausstellung zeichnet ein umfassendes Bild der Meissener Porzellankunst zwischen Barock und Biedermeier», sagt Pietsch und schwärmt in Superlativen. Man zeige das «Größte, Beste und Schönste», was Meissen damals herstellte. «Das war das Statussymbol schlechthin im 18. Jahrhundert.»
300 Jahre später haben die Sachsen keine Kosten gescheut, um das Porzellan würdig zu präsentieren. Leihgaben aus aller Welt machen die 1,2 Millionen Euro teure Schau zu einem Juwel. Dass die rund 800 Porzellane gerade im Japanischen Palais gezeigt werden, ist so etwas wie der Deckel auf der Kanne. Denn zunächst hatte August der Starke das Gebäude als «Porzellanschloss» konzipiert. Das Vorhaben fiel damals Geldmangel zum Opfer. Im Wahlkampf 2009 hatte Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) die Idee wieder aufgegriffen. Aber auch jetzt glaubt bei leeren Kassen keiner so richtig daran. «Das ist im Moment Zukunftsmusik», sagt Pietsch.
Ein zweites Präsent haben die Dresdner Sammlungen mit Partnern in Berlin vorbereitet. Unter dem Titel «Zauber der Zerbrechlichkeit» öffnet dort eine Exposition mit Meisterwerken der europäischen Porzellankunst. Sie stellt Meissener in den Kontext europäischer Konkurrenz. «Da wurden Spione ausgesandt, die Manufakturen belauerten sich», schilderte Pietsch die Industriespionage im vorindustriellen Zeitalter. «Für diese Schau der Extraklasse wurde das Ephraim-Palais in ein zauberhaftes "Porzellan-Schloss" verwandelt», verrät die Generaldirektorin des Berliner Stadtmuseums, Franziska Nentwig.
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