| Kunstfest «pèlerinages» zwischen Genie und Wahnsinn Von Oliver Hollenstein, dpa |
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| Donnerstag, 06. Mai 2010 um 06:43 Uhr | ||
Weimar (dpa/th) - Das Kunstfest Weimar widmet sich in diesem Jahr der Grenze zwischen Genie und Wahnsinn. Unter dem Motto «Irrlichter» sind vom 20. August bis zum 12. September 31 Veranstaltungen mit Musik, Tanz, Lesungen und Diskussionen geplant. Der Titel sei dem Klavierstück «Feux follets» von Franz Liszt entlehnt, sagte Kunstfest-Chefin Nike Wagner am Mittwoch in Weimar.
Das Motto bringe den Geistesverlust und das Irresein zusammen mit der Traum- und Zaubersphäre, begründete die Ururenkelin von Franz Liszt und Urenkelin von Richard Wagner die Auswahl. «Irrlichter sind zweideutige Führer, es geht ins Ungewisse. Und so etwas liebt die Kunst.»
Eröffnet wird das 1990 zur Wiedervereinigung ins Leben gerufene Kunstfest «pèlerinages» traditionell mit der Konzertreihe «Gedächtnis Buchenwald». In diesem Jahr werden dabei Werke von Bernd Alois Zimmermann und Anton Bruckner gespielt. Die Gedenkworte wird der jugoslawische Schriftsteller und Buchenwald-Überlebende Ivan Ivanji sprechen. Am Tag nach dem Gedächtniskonzert ist im Weimarhallenpark ein frei zugängliches Gartenfest mit Jazz, Blues und Swing geplant.
Als Höhepunkte des Kunstfestes 2010 bezeichnete Wagner den Besuch der beiden russischen Pianisten Boris Beresowski und Valery Afanassiev. Als «artists in residence» bestreiten die Geschwister Carolin (Geige) und Jörg (Komponist/Klarinettist) Widmann sechs Auftritte. Darunter auch das Abschlusskonzert mit dem SWR Sinfonieorchester.
Außerdem freue sie sich besonders auf die Veranstaltung «Lunatics: König, Mondpeter, Narr», die auf eine «Reise ins Gehirn» entführen will, sagte Wagner. Das Österreichische Ensemble für Neue Musik präsentiert eine Inszenierung von Boris von Poser mit «Eight Songs for a Mad King» von Peter Maxwell Davies, «Pierrot lunaire» von Arnold Schönberg und «Drei Lieder des Narren» von Luigi Nono.
Dem Thema Kunst zwischen Genie und Wahnsinn widmet sich außerdem die Ausstellung «art/brut: gugging classics.!». Die Werke von Patienten psychiatrischer Klinken stammen überwiegend aus der Sammlung «Privatstiftung - Künstler aus Gugging» und wurden extra für das Kunstfest zusammengestellt.
Teile des Kunstfests werden in diesem Jahr auch in Erfurt zu sehen sein. Im Theater Erfurt gibt die «Dance Company» des im vergangenen Jahr verstorbenen Choreographen Merce Cunningham ein dreitägiges Gastspiel. Die Company muss sich zwei Jahre nach dem Tod ihres Leiters auflösen - so will es sein Vermächtnis.
Das Kunstfest Weimar verfügt in diesem Jahr über einen Etat von 1,5 Millionen Euro. Das Land Thüringen bringt davon 500 000 Euro auf, die Kulturstiftung des Bundes unterstützt das Fest mit 300 000 Euro, die Stadt Weimar mit 250 000 Euro. Im vergangenen Jahr kamen nach Veranstalterangaben rund 19 000 Gäste. Die Eintrittspreise für die Konzerte liegen in diesem Jahr zwischen 14 und 44 Euro. Zum Liszt-Jahr 2011 soll das Kunstfest unter dem Motto «Vision» stehen, kündigte Wagner an.
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