| Fotografisches Tagebuch der Nation: Klemm-Ausstellung in Karlsruhe Von Catherine Simon, dpa |
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| Freitag, 07. Mai 2010 um 06:49 Uhr | ||
Karlsruhe (dpa/lsw) - «Die Technik war noch nie mein Ding», sagt Barbara Klemm lächelnd und schaltet verlegen ihr laut klingelndes Handy aus. Mit komplizierten Kameras dagegen hatte sie nie Probleme. Die 70-jährige Bildjournalistin zählt zu den renommiertesten deutschen Fotografinnen. Jahrzehntelang arbeitete sie für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Oft hielt sie mit ihren Bildern politische Wendepunkt fest, etwa das Treffen des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt mit dem sowjetischen Staatschef Leonid Breschnew 1973 in Bonn oder den Fall der Berliner Mauer, den sie einen Tag später am 10. November 1989 fotografierte. Etwa 300 ihrer Werke sind von diesem Freitag an in der Städtischen Galerie in Karlsruhe zu sehen.
Fast immer arbeitete Klemm ohne Blitz. So gelang es ihr, die natürliche Stimmung einzufangen. Alle Bilder in der Ausstellung «Retrospektive - Fotografien 1968 - 2008» sind schwarz-weiß. «Farben lenken nur ab», sagt die gebürtige Münsteranerin. Auch einige andere Grundsätze hat sie sich im Laufe ihres Arbeitslebens angeeignet. Zum Beispiel, dass man beim Fotografieren hektischer politischer Szenen vor allem Ruhe bewahren muss. «Man muss sehen, dass man ein Bild bekommt - und nicht nur ein Dokument.». Oder dass der Fotograf «sich nicht selber mit ins Bild bringt». Ihr Credo: «Sich selbst unsichtbar machen.»
Gerne erzählt Barbara Klemm Geschichten. Etwa, wie sie sich 1970 in die Verhandlungen von Außenminister Walter Scheel mit seinem polnischen Amtskollegen schlich: «Ich zog einen Rock an, steckte die Kamera in eine unauffällige Tasche und marschierte mit hoch erhobener Nase ins Hotel - vorbei an allen Sicherheitsleuten.» So bekam sie ihr Bild: die beiden Minister vor einem Gobelin-Teppich, auf dem eine Liebesszene dargestellt ist.
Doch auch nach dem Auslösen der Kamera ging der Kampf weiter - der Kampf um Themen und bestimmte Motive. «Ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass auch genau das Bild ins Blatt kommt, was ich wollte. Das war bei einer sehr konservativen Zeitung wie der FAZ nicht immer ganz einfach», sagt die lebhafte 70-Jährige. Sie wollte stets mit ihren Bildern denjenigen die Geschichte erzählen, die nicht dabei waren. Das Ziel der Zeitungsfotografin: Den Betrachter einfangen und dazu bewegen, den Text zum Bild zu lesen.
«Ich habe meine Arbeit nie künstlerisch gesehen», sagt sie. Daher sind in ihrer Ausstellung nur einige wenige abstrakt anmutende Bilder zu sehen. Sie zeigen die Installation «Roden Crater» des US-Künstlers James Turrell. Darin spielt Klemm mit Licht, Raum und Kontrast. Gleich daneben finden sich zahlreiche Porträts von Künstlern, Schriftstellern und Musikern. Auch ein Foto von ihrem Vater Fritz Klemm (1902-1990) ist zu sehen.
«Barbara Klemms Bilder sind Ikonen der Zeitgeschichte. Sie hatte immer das richtige Gespür für den ausdrucksstärksten Moment», lobt die Leiterin der Galerie, Brigitte Baumstark, die Fotografin. Bearbeitet hat Klemm ihre Fotos kaum. In der Dunkelkammer korrigierte die mehrfach ausgezeichnete Fotografin lediglich ein wenig die Tonwerte und verstärkte die Kontraste. Bildkomposition und Ausschnitt legte sie fast immer schon mit der Brennweite fest. «Wenn auf dem Negativ nichts drauf ist, kann man auch in der Dunkelkammer nicht viel retten.»
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