| Aus dem Leben vor YouTube: Videokunst in Stuttgart Von Christian Fahrenbach, dpa |
|
|
|
| Freitag, 07. Mai 2010 um 06:49 Uhr | ||
Kaum zu glauben: Das weltumspannende Cliparchiv YouTube ging vor gerade einmal fünf Jahren online. Videokunstwerke gibt es schon seit Mitte der 60er Jahre. Stuttgarts Kunstmuseum zeigt nun zehn Arbeiten, mal politisch, mal weniger - und gibt diesen ordentlich Raum.
Stuttgart (dpa/lsw) - Der Betrachter muss mindestens einmal um das Kunstwerk herumlaufen, um dessen Wirkung zu begreifen: Ein runder Tisch steht im Raum, in der Mitte ein silberner Zylinder. Auf den Tisch werden verzerrte Filmbilder projiziert - und nur wer auf die Außenwand des Zylinders blickt, erkennt die ganze Geschichte. Eine düstere schwarz-weiße Erzählung vom brutalen Angriff der Italiener auf Äthiopien im Jahr 1935, bei der 275 000 Menschen ihr Leben verloren. Die Videoskulptur «What Will Come (has already come)» des Südafrikaners William Kentridge ist eine von zehn Arbeiten, die von Samstag an im Stuttgarter Kunstmuseum zu sehen sind - nicht alle sind in diesem Maße politisch.
«Wir wollen die Möglichkeiten des Mediums zeigen», erklärt Ulrike Groos, Geschäftsführerin des Museums, das Konzept der Ausstellung «Simply Video». «Es ist ein sehr breites Spektrum geworden», bekennt sie - und dem kann der Betrachter der zehn Arbeiten nur zustimmen, nachdem er die Werke mit einer Gesamtlaufzeit von rund anderthalb Stunden hinter sich gebracht hat. Viel Politik ist zu sehen, darunter zwei Post-Sowjetära-Arbeiten aus Litauen und Russland und ein traditioneller Trickfilm über Südafrika nach der Apartheid.
Hinzu kommt etwas Technologiekritik, wie die Klon-Arbeit «Again & Again» des in Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen) geborenen Björn Melthus und eine Prise «Kunst in der Kunst» (Jon Kesslers Variation des berühmten Hopper-Bar-Gemäldes «Nighthawks»). Eines haben die Videos jedoch gemeinsam, bekennt Groos: «Die Arbeiten sind sehr erzählerisch. Man kann auf einer relativ nichtwissenden Ebene einsteigen und dann die Auseinandersetzung vertiefen.»
Zu diesen auf den ersten Blick leicht zugänglichen Arbeiten dürften sicher auch die beiden größten Werke zählen: «Delphine» von Diana Thater erstreckt sich über zwei Stockwerke. Wie in einem riesigen Aquarium werden fünf Videoaufnahmen eines Delfinariums an die Wände projiziert. Sie sollen den Betrachter dazu auffordern, über das Verhältnis von Mensch und Tier nachzudenken. Noch mächtiger wirkt die Installation «Die Anordnungsweise zweier Gegenteile bei der Erzeugung ihres Berührungsmaximums» des Schweizers Yves Netzhammer. Für ihn wurde gleich die gesamte dritte Ebene des Museumskubus freigeräumt.
In der Mitte des Raumes läuft ein rund halbstündiger Hauptfilm, dessen Leitmotive in Zeichnungen an der Wand hineinprojiziert werden. Eine am Computer entstandene Puppe ohne Gesicht oder Geschlecht spielt die Hauptrolle in diesem Kunstwerk, das letztlich die Frage stellt, ob einen das Fremde eher anzieht oder abstößt.
Netzhammers Arbeit wurde zwar extra an das Stuttgarter Museum angepasst, es stammt aber dennoch wie alle anderen Stücke aus der Sammlung der Kunsthalle Bremen. Dort werde bis 2011 noch umgebaut, so dass in 22 Städten unter dem Motto «Noble Gäste» Leihgaben der Sammlung zu sehen sind, erklärte Museumsleiterin Groos. Die Stuttgarter Ausstellung läuft bis 22. August.
|
























































