| Rentiere im Museum - Kunstversuch zu Wundertrank |
|
|
|
| Donnerstag, 04. November 2010 um 07:00 Uhr | ||
Nachts allein durch ein Museum streifen: In Berlin ist das jetzt in einer Kunstausstellung möglich. Angst vor Tieren sollte man besser nicht haben.
Berlin (dpa) - In einer Berliner Kunstausstellung sind ab Freitag zwölf lebendige Rentiere zu sehen. Sie gehören zur Installation «Soma», die der deutsche Künstler Carsten Höller für die große Halle im Hamburger Bahnhof entworfen hat. Außerdem tummeln sich dort 24 Kanarienvögel, acht Mäuse und zwei Fliegen. Zu sehen sind auch echte und nachgebaute Fliegenpilze - im Kühlschrank und als Skulptur. Und: Für 1000 Euro die Nacht können zwei Besucher auf einer Empore über den Tieren schlafen und haben das Museum für Gegenwartskunst für sich allein.
Höller will dem Mythos von Soma nachspüren, einem uralten Trank, der Erkenntnis und Zugang zu göttlichen Sphären gebracht haben soll. Möglich ist, dass er aus Fliegenpilzen gewonnen wurde. Höller, habilitierter Agrarwissenschaftler, stellt die These auf, dass er Urin von Rentieren sein könnte, die diese Pilze gefressen haben.
Was genau sein Experiment im Museum ist, lässt der Künstler bewusst offen. «Es geht um das Nachdenken», sagte Höller am Mittwoch. Es soll kein wissenschaftlicher Versuch sein, sondern die Fantasie der Besucher anregen. «Man wird sofort in dieses Bild hineingezogen», so der Direktor der Nationalgalerie, Udo Kittelmann. Höller: «Mir reicht es auch, wenn ein Kind reinkommt und die Rentiere toll findet.»
In der Halle riecht es nach Holzspänen. Die Rentiere machten vor der Eröffnung einen ruhigen Eindruck. Auf den Schutz der Tiere wird nach Angaben der Veranstalter geachtet. Die Rentiere, die in der Uckermark (Brandenburg) aufgezogen wurden, seien an Menschen gewöhnt. Die Besucher können das Treiben von einer Tribüne aus beobachten. Die 80 Übernachtungen in der Installation sind fast ausverkauft. Einmal in der Woche wird eine Nacht verlost und ist für den Gewinner gratis.
Höller (Jahrgang 1961) lebt in Stockholm. Mit seinen Werken war er bereits bei der documenta in Kassel und der Biennale in Venedig vertreten. In einer früheren Aktion hat er selbst mit Fliegenpilzen experimentiert. «Ich kann das überhaupt gar keinem empfehlen», berichtet er. «Es ist eine ganz schreckliche Erfahrung.»
|
























































