| Nach Fälschungsskandal: Kunstmarkt will Vertrauen zurückerobern |
|
|
|
| Freitag, 05. November 2010 um 06:30 Uhr | ||
Katerstimmung in der Kunstszene: Verwöhnt von Rekordpreisen in Millionenhöhe muss der Kunstmarkt nach dem jüngsten millionenschweren Fälschungsskandal um das Vertrauen der Sammler bangen. Der Kunsthandel will sich nun besser vor Fälschern schützen.
Köln (dpa/lnw) - Als Konsequenz aus dem millionenschweren Fälschungsskandal um die angebliche Sammlung Jägers will der Kunstmarkt künftig Werke sorgfältiger prüfen. Hoher Erwartungsdruck und Einlieferungen oft erst kurz vor der Auktion könnten unter Umständen eine sorgfältige Herkunftsforschung verhindern, sagte Roland Vogel, Präsident des Sachverständigen-Bundesverbandes (BVS) am Donnerstag bei einer Fachtagung in Köln. «Wir wollen der Vertrauenskrise, die den Kunstmarkt erschüttert, begegnen.»
Im Sommer war ein Trio aufgeflogen, das über Jahre mutmaßlich gefälschte Gemälde hochkarätiger Künstler des 20. Jahrhunderts in den Markt geschleust hatte. Die Täter hatten vorgegeben, dass die Bilder aus einer angeblichen Sammlung stammten. Werner Jägers war ein Kölner Unternehmer, dessen Name mutmaßlich von seiner Enkelin für den Kunstbetrug missbraucht worden war.
Zu den gefälschten Gemälden gehört ein Bild des rheinischen Expressionisten Heinrich Campendonk, das ein Kölner Auktionshaus 2006 zu einem Rekordpreis von rund 2,4 Millionen Euro versteigert hatte.
Die Anwältin Friederike von Brühl plädierte dafür, die praktisch monopolisierte Macht der Kunst-Sachsverständigen zu begrenzen. Inzwischen werde nur noch «ganz hoch spezialisierten Experten» vertraut, die häufig die einzigen Sachverständigen auf ihrem jeweiligen Fachgebiet seien. Der Marktwert eines Kunstwerks hänge oft «von einem Wort eines einzelnen Experten ab». Um diese wirtschaftliche Marktmacht zu begrenzen, sollten die Gesetze des Kartellrechts auch auf den Kunstmarkt angewendet werden. Brühl vertritt zwei geschädigte Käufer im Fall der Jägers-Sammlung.
Als Lehre aus dem Fälschungsskandal sollte man nach Ansicht von Verbandspräsident Vogel auch die Haftungsklauseln für Auktionshäuser vereinheitlichen. Einige Häuser hafteten innerhalb eines Jahres für die Urheberschaft von Kunstwerken, andere fünf Jahre und manche gar nicht.
Georg von Gumppenberg, Leiter Kunstversicherung der Allianz Deutschland AG, sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass die «Gier» der Sammler und die Rekordpreise auf dem Markt dazu führen könnten, «gelbe und rote Ampeln außer Acht zu lassen».
Besonders oft gefälscht würden Grafiken, da bei den hohen Auflagen Echtheitsnachweise schwerer zu führen seien. Außerdem sei bei Grafiken der Profit relativ hoch, weil der Aufwand für das einzelne Objekt nicht hoch sei, aber ein Hebeleffekt über die Menge entstehe. Auch Güsse von Skulpturen seien sehr fälschungsanfällig.
|
























































