| Katerstimmung am Kunstmarkt - Fälscher blamieren den Handel Von Dorothea Hülsmeier, dpa |
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| Freitag, 05. November 2010 um 06:30 Uhr | ||
Der Kunstmarkt giert nach immer neuen hochkarätigen Stücken. Kunstwerke werden für Millionen-Summen versteigert. Der jüngste Fälschungsskandal aber hat den Handel bloßgestellt. Jetzt bemüht sich der Kunstmarkt um Schadensbegrenzung.
Köln (dpa) - Die Gier ist schuld. Auktionshäuser von New York, London und Köln erzielen Millionenpreise für Picassos oder Noldes. Wirtschaftskrise hin oder her - schwerreiche Sammler machen Kunst zur heiß begehrten Wertanlage. Umso schwerer trifft den Handel der jüngste Skandal um mutmaßliche Fälschungen hochkarätiger Gemälde aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts.
Aufgeflogen war die Geschichte, als ein 2006 von einem Kölner Auktionshaus für 2,4 Millionen Euro versteigertes Gemälde des rheinischen Expressionisten Heinrich Campendonk kürzlich als raffinierte Fälschung enttarnt wurde. Der vermeintliche Campendonk stammte wie Dutzende weiterer Bilder aus der «Sammlung Jägers», bei der es sich wohl um die Erfindung der inzwischen in Untersuchungshaft sitzenden Enkelin des vor Jahren gestorbenen Kölner Unternehmers Werner Jägers handelt. Seit Wochen tauchen in Museen und Galerien im In- und Ausland immer wieder angebliche Gemälde aus der vermeintlichen Sammlung auf. Ein Schaden in Millionen-Höhe wird befürchtet.
Ob chinesische Terrakotta-Figuren, Jugendstilgläser von Emile Gallé oder Expressionisten - wo viel Geld zu machen ist, wird auch viel gefälscht. Der Skandal um die Sammlung Jägers reihe sich ein in eine internationale Serie, sagt Frithjof Hampel vom Kunst- Sachverständigenverband BVS.
In Paris hatte ein gewiefter Fälscher über Jahre vermeintliche Werke von Picasso, Braque und Chagall an gutgläubige Kunstliebhaber für Millionen verkauft. In Baden-Württemberg entdeckte die Polizei ein Lager mit einem riesigen Bestand an gefälschten Giacometti- Figuren. Und auch der russische Milliardär Viktor Vekselberg saß wohl Fälschern auf, als er 2005 in London ein Bild des russischen Malers Boris Kustodijew für einen Millionenpreis ersteigerte.
Immer geschickter gehen die Kunstfälscher vor, sagt Georg von Gumppenberg, Leiter der Kunstversicherung bei der Allianz Deutschland. Und die Gier führe dazu, dass die Prüfungen durch die Auktionshäuser manchmal laxer würden.
Der Markt hat eine Achillesferse: die Experten. «Die Mächtigen des Kunstmarkts sind nicht die großen Auktionshäuser und Galerien, sondern die Kunstsachverständigen», sagt die renommierte Anwältin Friederike von Brühl, die zwei geschädigte Käufer im Fall der Sammlung Jägers vertritt.
Ohne die Expertise dieser «Päpste unter den Experten» seien Kunstwerke «praktisch unverkäuflich». Ihr Urteil sei auf dem hochsensiblen Kunstmarkt von «immenser Bedeutung für das Preispotenzial von Kunstwerken». Was aber, wenn diese quasi monopolisierten Sachverständigen irren wie möglicherweise bei ihren Expertisen für die Bilder aus der Sammlung Jägers? Brühl fordert, die Wirtschaftsmacht der Kunstexperten zu brechen.
Nicht nur Habgier, sondern auch die Absicht, die «Päpste» bloßzustellen und die «Gefoppten dem Gespött preiszugeben», vermutet der Saarbrücker Kunstgeschichtsprofessor Henry Keazor als weitere Antriebskraft der Fälscher. «Insofern kann Fälschungen auch ein anarchisches, subversives Element innewohnen.»
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