| 300 Jahre Meissner Porzellankunst in Augsburg |
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| Freitag, 05. November 2010 um 06:30 Uhr | ||
Jahrzehntelang haben Schätze aus «weißem Gold» im Magazin des Maximilianmuseums in Augsburg geschlummert. Jetzt zeigt eine Sonderausstellung die seltenen Stücke aus drei Jahrhunderten Meissner Porzellankunst.
Augsburg (dpa/lby) - Feine Pinselstriche, exotische Motive und edles Material: Das Maximilianmuseum in Augsburg präsentiert von diesem Freitag an seltenes Meissner Porzellan aus 300 Jahren. Die Sonderausstellung «Blumen, Schwäne und Chinesen» umfasst rund 50 seltene Exponate, die über viele Jahrzehnte im Magazin des Museums gelagert und nicht gezeigt wurden.
Ursprünglich stammen sie aus der Sammlung des Augsburger Buchhändlers und Antiquars Albert Fidelis Butsch (1839-1917). Er hatte rund 600 Stücke, darunter fast 400 aus der Meissner Manufaktur, zusammengetragen. Damit sei die Sammlung eine der bedeutendsten Bayerns gewesen, sagte Projektleiter Christoph Emmendörffer am Donnerstag. Vor 100 Jahren kaufte die Stadt Augsburg sie von Butsch.
Im Maximilianmuseum wurde daraufhin ein Porzellanzimmer eingerichtet, in dem das «weiße Gold» des Antiquars etwa 20 Jahre lang in Vitrinen zu sehen war. Doch die Museumsleitung verkaufte einige Stücke ohne Genehmigung an Kunsthändler, außerdem fielen viele Exponate 1930 einem Vitrinenbruch zum Opfer. Dieser war vermutlich eine Inszenierung, um über den Abverkauf hinwegzutäuschen, sagte Emmendörffer.
Kuratorin Christina von Berlin hat die Stücke für die neue Ausstellung zusammen gestellt. Sortiert wurden sie nicht chronologisch, sondern nach Dekoren und Objektgruppen. Das sogenannte Schneeballdekor war beispielsweise Mitte der 1730er Jahre beliebt. «Es war barocker Luxus, das hat man sich gegönnt», sagte von Berlin. Im Auftrag der Kurfürstin von Sachsen und Königin von Polen, Maria Josepha, entstand auch eine in Augsburg ausgestellte Deckelterrine. Sie zieren etwa 250 feine weiße Blüten, die aufwendig geformt und mit Einhaarpinseln bemalt sind. Genutzt wurden diese Porzellane als Präsentierstücke. Gegessen hat davon niemals jemand.
Auch der Einfluss aus Fernost ist in der Ausstellung sichtbar. Unter der Kategorie «Chinoiserien» ist eine seltene Teedose in Birnenform ausgestellt, die kleine Haarrisse und auch Einschlüsse aufweist. Die Ausstellungsmacher vermuten, dass dem dem Maler das Stück von der Manufaktur mitgegeben wurde und er es in Heimarbeit zu Ende malte. «Heimarbeit war damals nicht gerne gesehen, weil es Konkurrenz bedeutete», sagte die Kuratorin.
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