| Ausstellung zeigt Einsamkeit und schönen Schein Von Ingo Senft-Werner, dpa |
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| Freitag, 05. November 2010 um 06:30 Uhr | ||
Karlsruhe (dpa/lsw) - Die Einsamkeit der Menschen in der Massengesellschaft treibt die skandinavischen Künstler Michael Elmgreen und Ingar Dragset um. Zur Veranschaulichung haben sie in ihrer ersten Schau in Deutschland zwei große Installationen aufgestellt: Einen Plattenbau, in den die Besucher voyeuristisch durch die Fenster hineinschauen können, und einen klassizistischen Ballsaal, in dem ein Schuljunge zusammengekauert in einem Kamin hockt. Die Schau mit dem Titel «Celebrity - The One & The Many» wird am Samstag (6. November) eröffnet und ist bis zum 27. März im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe zu sehen.
Der mehrgeschossige Plattenbau ist im überdachten Lichthof des ehemaligen Fabrikgebäudes nachgebaut, in dem das ZKM untergebracht ist. Auf den Klingelschildern stehen Namen wie Celik, Simon und Wang. Fast in allen der engen Zimmer läuft der Fernseher: Fußball oder Casting-Shows - auf den Tischen jeweils passend Bier oder Illustrierte.
In einem Raum liegt ein Jugendlicher im Bett, neben sich die E- Gitarre. Alles wirkt trist. «Die Menschen leben mehr und mehr in einer medialen Traumwelt, weil sie nicht mehr mit ihrer Familie oder ihren Nachbarn reden, sondern das Leben von Prominenten verfolgen, die sie gar nicht kennen», sagte Dragset am Donnerstag bei der Präsentation.
Aber auch das Leben der Reichen und Berühmten sei nicht viel besser. Über dem kleinen Jungen im Ballsaal hängt sein Porträt, das die Erwartungen der Eltern an den Junior widerspiegelt. Die Festgesellschaft ist nur als Schattenriss zu sehen. «Der Junge hat zu viel Platz, so wie die Familien im Plattenbau zu wenig haben», erläutert Dragest. «Es ist eine traurige Geschichte - an beiden Orten.»
Das Künstlerduo ist mit seinen außergewöhnlichen Installationen inzwischen international bekannt. So bauten sie in der texanischen Wüste eine Prada-Boutique nach und ließen in einer Mailänder Modegalerie einen Wohnwagen aus dem Boden herausbrechen. «Celebrity» ist für sie der Abschluss einer Trilogie zum Thema Gesellschaft. Die ersten beiden Werke sind «The Welfare Show», die sie 2006 in London inszenierten und «The Collectors», mit denen sie im vergangenen Jahr im dänischen Pavillon auf der Biennale in Venedig vertreten waren.
Die Einsamkeit der Massen sei ein bestimmendes Thema der Zeit, sagte ZKM-Chef Peter Weibel. Die Sucht nach Berühmtheit, ohne eine Leistung bringen zu müssen, beherrsche breite Gesellschaftsschichten. Die Ausstellung biete deshalb eine wichtige Standortbestimmung. Sie werde nach dem Abschluss in ähnlicher Weise in Dänemark gezeigt. Zur Präsentation gehört ein Interview mit dem französischen Philosophen Paul Virilio zum Thema Berühmtheit.
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