| Trierer Antikenfestspiele stehen vor dem Aus Von Birgit Reichert, dpa |
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| Samstag, 06. November 2010 um 08:22 Uhr | ||
Trier verabschiedet sich von seinen Antikenfestspielen. Trotz neuen Konzepts hat sich das Opern- und Theater-Spektakel nicht durchgesetzt. Im Sommer waren die Ränge gerade mal halbvoll.
Trier (dpa/lrs) - Für die Antikenfestspiele in Trier fällt der Vorhang. Nach 12 Jahren soll die Reihe in der einstigen Römerstadt nicht mehr fortgesetzt werden. Dies sagte Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen (SPD) am Freitag. Nach einem Defizit von 220 000 Euro im vergangenen Festivalsommer wegen geringer Besucherzahlen sei das Risiko zu hoch, ein weiteres «finanzielles Desaster» zu erleiden. «Die Festspiele sind in der Stadt und der Region nicht angenommen worden», sagte Jensen. Der Stadtrat soll in seiner Sitzung am 16. November das endgültige Aus der Festspiele besiegeln.
«Das ist ein schmerzlicher Verlust», sagte Festspiel-Intendant Gerhard Weber. Er sei umso schmerzlicher, da gerade für den Sommer 2010 ein neues Konzept für die Opern- und Schauspielreihe erarbeitet worden war. «Es hat uns eine sehr hohe künstlerische Qualität beschert und erheblich zur Profilschärfe beigetragen», sagte Weber, auch Intendant des Trierer Theaters. Enttäuschend sei, dass der Neustart nicht den Zuspruch fand, «den er verdient hatte». Kamen in den Jahren zuvor oft gut 10 000 Besucher im Sommer, waren 2010 nur 6800 im Amphitheater - bei einem Budget von gut einer Million Euro. Die Festspiele waren 1998 gegründet worden, um Theater in den antiken Stätten der ältesten Stadt Deutschlands erlebbar zu machen. Oberste Maxime war, antike Stoffe zeitgenössisch zu inszenieren. In den ersten Jahren traten große Namen wie Sir Peter Ustinov, Franz Grundheber, Hildegard Behrens und Hanna Schygulla bei den Freiluft-Aufführungen auf. Gründer der Festspiel-Reihe 1998 war Webers Vorgänger, Heinz Lukas-Kindermann. Er war der Ansicht: «In Trier stimmen Geschichte und Architektur mit dem Spielplan überein.» Es gebe in ganz Europa keinen vergleichbaren Festspielort, hatte er immer wieder betont.
Im Jahr 2005 übernahm Weber als neuer Theater-Intendant die Festspiele - und startete mit dem Musical «Quo Vadis». Im Jahr 2006 begann bereits die Diskussion um ein neues Profil der Festspiele, auch um nach sattem Minus in der Kasse mehr Zuschauer zu gewinnen. Nach römische Themen und griechischen Mythen kamen die Oper «Samson und Dalila» und die Tragödie «König Ödipus». Dann «Nabucco» und «Antigone». Und 2009 war ein Jahr Pause - aus finanziellen Gründen und zur Erarbeitung eines neuen Konzepts.
Doch auch der neue Fokus auf wiederentdeckte Opern und überregional gefeierte Gastspiele rettete die Festspiele nicht mehr. Der «enorme Aufwand» stehe in keinem Verhältnis zur Resonanz, sagte Jensen. Und die hohen Kosten seien angesichts eines strukturellen Haushaltsdefizits von 60 Millionen Euro kaum zu rechtfertigen. Auch eine abgespeckte Version der Spiele in den Kaiserthermen, die rund 200 000 Euro billiger geworden wären, sei zu risikoreich. «Die Antikenfestspiele sollten eine Marke werden, sind aber keine geworden», sagte Kulturdezernent Thomas Egger (FDP).
Die Kulturlandschaft werde aber nach dem Stopp für die Antikenfestspiele nicht «Wüste», sagte der Oberbürgermeister. «Wir denken über zusätzliche Sommerangebote nach, die nicht so ein großes finanzielles Risiko bergen.» Und Egger sagte: «Wir lassen jetzt erstmals ein bisschen Gras über die Sache wachsen - und dann denken wir über etwas ganz Neues nach.»
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