| Kulturrat: Berlins Schloss darf nicht «Stuttgart 21» werden Gespräch: Esteban Engel, dpa |
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| Montag, 08. November 2010 um 06:33 Uhr | ||
Leuchttürme der Kultur kosten Milliarden, kleine Projekte müssen darben: Der Deutsche Kulturrat warnt vor den Tücken der Sparpolitik - und vor noch einem Bürgeraufstand gegen Mammutvorhaben. Berlin (dpa/bb) - Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, hat vor Großprojekten und «Millionengräbern» wie etwa dem Berliner Schloss oder der Hamburger Elbphilharmonie gewarnt. «Wir dürfen in der Kultur kein "Stuttgart 21" zulassen», sagte Zimmermann der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Vorhaben wie der Bau einer Schlosskopie in der Berliner Mitte dürften nicht ohne öffentliche Beteiligung über die Bühne gehen. «Das ist die Lehre aus dem Protest gegen den Abriss des Stuttgarter Bahnhofs», sagte Zimmermann. Dem Kulturrat gehören 234 Bundeskulturverbände und Institutionen an.
«Zeiten, in denen massiv bei Kultur- und Sozialausgaben gespart wird, sind schwierige Zeiten für kulturelle Großprojekte. Umso mehr muss für diese Vorhaben massiv in der Gesellschaft geworben werden.» Die Idee des Humboldtforums als Schaufenster der Weltkulturen sei richtig. «Aber auch wenn der Bundestag und das Land Berlin für dieses Schloss sind, muss jetzt eine offene Debatte geführt führen, oder wir dürfen uns nicht wundern, wenn sich mit dem ersten Spatenstich Protest formiert.»
Es sei auf Dauer nicht möglich, Vorhaben, die in der Bevölkerung auf Widerstand stoßen, ohne Schaden für die Demokratie «durchzuboxen». Das Humboldtforum könne auch in anderer Gestalt errichtet werden. «Hamburg hat das Glück, dass die Elbphilharmonie fast fertig ist, sonst würde sich auch hier viel mehr Protest regen.» Angesichts der Sparpolitik und der knappen Kassen gerade für Kulturausgaben sollte über eine sinnvolle Verwendung der knappen Mittel gesprochen werden.
Mit der Schließung kleiner Kulturinstitutionen lote die Politik immer wieder die Schmerzgrenze der Bevölkerung aus. «Zum Glück steht die Öffentlichkeit hinter ihren Kultureinrichtungen und macht ihrem Unmut deutlich Luft», sagte Zimmermann. Angesichts der Verschuldung der Kommunen wird der Rotstift sehr schnell an die freiwilligen Kulturausgaben angesetzt.
Dabei sei der Einspareffekt äußerst fragwürdig, wie etwa beim Berliner Schiller Theater deutlich wurde. Das Haus sei vor 20 Jahren geschlossen worden, doch der Spareffekt sei verpufft. Das Personal sei in einem Stellenpool übernommen worden, für das leerstehenden Haus fielen laufende Kosten an. Ein ähnliches Schicksal drohte auch dem Altonaer Museum, dessen Schließung nun bis Jahresende vom Tisch ist.
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